22. April 2020

LIVE FRAGEN & ANTWORTEN AUS DEUTSCHLAND
SHREE PEETHA NILAYA ASHRAM

Im heutigen satsang beantwortet Paramahamsa Vishwananda Fragen darüber, was zu tun ist, wenn eine murti zerbrochen ist, wie man vermeidet, mit seinem Partner karma zu kreieren, wie man mit Wünschen umgeht und wie man eine spirituelle Kraft erlangt, wie sie Srila Prabhupada hatte.

 

Jai Gurudev alle zusammen! Willkommen!

Gestern fragte jemand nach dem darshan von Giridhariji, also habe ich Ihn heute mitgebracht. Jai Giridhar Gopal!

Heute ist auch der Tag der Erde und wie man sehen kann, durchlebt die Welt eine schöne Zeit – die Erde regeneriert sich. Diejenigen, die sich auf das Positive konzentrieren, schätzen diese Zeit und auch das, was sie geben kann, wirklich. Denn während dieser Zeit geht man tiefer und tiefer in das eigene Innere. Man öffnet bestimmte Sphären in sich, von denen man nicht einmal wusste. Viele Menschen wussten nicht, dass man den ganzen Tag zu Hause sein kann oder dass man bestimmte Dinge tun kann.

Die Welt der Menschen ist oft so abhängig von der äußeren Realität, doch jetzt, während dieser Zeit, verändert sich das völlig ins Gegenteil. Es ist eine Zeit, in der man sich nach innen wendet und durch das, was man im Inneren empfängt und was in einem erwacht, bemerkt man, dass eine Verwandlung geschieht, dass Veränderung stattfindet.

So feiert heute jeder auf seine Weise den Tag der Erde. Wir müssen wirklich dankbar sein, während dieser Zeit hier in dieser Welt sein zu dürfen, und wir müssen auch dankbar sein, dass wir diese Zeit mit unserer Familie, mit unseren Lieben, genießen können. Viele Menschen haben gesagt, dass sie während dieser Zeit den Mitmenschen sogar näher gekommen sind. Das geschieht durch diese Verbindung, die wir früher für selbstverständlich hielten, aber jetzt schätzen wir sie. Wenn man jemanden nicht besuchen kann, wird einem die Großartigkeit der Zeit bewusst, in der man zu ihm gehen konnte. Ich sehe das auch hier im ashram.

(Ich stelle Giridhari hierher. Er wird die Erde inspirieren und beschützen.)

Wenn Menschen den ashram besuchen wollten, sagten sie sehr oft: „Okay, gut, wir haben das Geld, wir können einfach das Flugzeug nehmen und los gehts.“ Jetzt gibt es nicht einmal mehr ein Flugzeug. Dies ist eine Zeit, in der wir die Momente, die wir früher hatten, zu schätzen wissen. Erinnert euch später, wenn wieder Normalität einkehrt, daran, dass sich alles ändern kann, nichts liegt in euren Händen. Ihr glaubt, dass euer Leben in euren Händen liegt – aber nein, in einem Bruchteil einer Sekunde kann das Leben von euch weichen. Nichts liegt also wirklich in eurer Hand, und nichts unterliegt der Kontrolle der Menschen, die glauben, dass sie alles kontrollieren. Nein, auch sie haben nichts unter Kontrolle. Alles unterliegt Seiner Kontrolle. Und glücklich sind diejenigen, die das wirklich verstehen. Denn ihr tut alles in eurem Leben durch Seine Gnade. Ohne Seine Zustimmung geschieht nichts.

Die Hand meiner Gayatri murti ist gebrochen. Ich habe gehört, dass es nicht erlaubt ist, zerbrochene Deities zu verehren, aber kann ich sie wieder reparieren und weiterhin verehren?

Gemäß der Tradition heißt es, wenn eine Deity zerbrochen ist, darf man die Verehrung nicht fortsetzen, aber ich frage euch alle: Wenn die Gottheit, die man verehrt, einem so lieb ist… Wenn Giridhariji morgen etwas zustößt (nun, wir sind gesegnet, dass so viele Jahre lang nichts passiert ist), glaubt ihr, ich höre dann einfach auf, Ihn zu verehren? Nein, ich werde mit der Verehrung fortfahren. Denn das ist meine Verbindung zu Ihm, wisst ihr? Wenn man eine bestimmte Verbindung zu seiner Deity hat, dann ist es nicht nur eine Deity, es ist keine Statue, die einem heute gefällt und wenn sie einem morgen nicht mehr gefällt, tauscht man sie gegen eine andere aus. Es ist nicht so, als würde man die Kleidung wechseln. Weil man diese Beziehung zu dieser Gottheit aufgebaut hat, wird diese Gottheit alles für einen. Selbst wenn sie zerbrochen ist, repariert man sie einfach und setzt die Verehrung fort.

Wenn eure Mutter sich den Arm bricht – würdet ihr sie dann wegwerfen? Ich glaube nicht. Ihr würdet sie ins Krankenhaus bringen, ihr würdet sie behandeln lassen, und danach wäre sie immer noch da. Stellt euch vor, eure Mutter hat sich den Arm gebrochen, und dann sagt ihr: „Okay, gut, Mutter, ich nehme mir jetzt eine andere Mutter, du hast etwas gebrochen!“ Ihr solltet sehr vorsichtig sein! Stellt euch vor, wenn das euch passiert, was würde dann wohl geschehen? Ihr müsstet aufpassen, dass eure Kinder euch nicht aus dem Haus werfen!

So gesehen haben die Menschen die Beziehung zwischen dem Liebenden und dem Geliebten nicht verstanden. Die Menschen haben die Tiefe der Verbindung, die man mit dem Göttlichen hat, nicht verstanden. Es ist nicht wirklich die Deity im Äußeren. Die Deity im Außen ist nur eine Darstellung deiner Beziehung zum Höchsten, der überall ist. Wenn diese Verbindung besteht, dann repariere die Deity einfach und setz deine Verehrung fort, das ändert nichts. Aber diejenigen, die unwissend sind, erkennen das nicht, denn sie sehen nur die äußeren, materiellen Dinge. Für sie sollte man eine Deity, die aus Marmor besteht, so behandeln: „Oh, die Deity ist zerbrochen. Es ist nur ein Stück Marmor, das zerbrochen ist, also nehme ich es und gebe es weg.“ Das sieht man sehr oft, und an vielen Orten hört man das auch. Aber wenn man diese liebevolle Beziehung hat, wie könnte man das tun – versteht ihr? Also repariert sie einfach und setzt eure Verehrung fort.

Meine Freundin hat Angst davor, dass Dinge wie zum Beispiel meine Gabel ihren Teller berührt, und sogar davor, dass wir uns eine Tüte Chips teilen. Ist die karmische Energieübertragung wirklich so mächtig, wenn wir einen liebenden Gott und einen lebendigen guru haben?

Zunächst einmal frage ich dich: Schlaft ihr zusammen? Ich denke schon… Berührst du deine Freundin? Also… Wenn du Angst hast, dass eine Gabel [-Berührung] oder das Essen von Chips aus derselben Tüte ein tiefes karma zwischen euch beiden erzeugt, dann solltest du anfangen, über eure Beziehung nachzudenken, denn wenn ein Mensch so denkt, dann weiß ich nicht, wie ihr eure Beziehung miteinander lebt. Es geht mich zwar nichts an, aber nur um das klarzustellen: Ihr schlaft miteinander, ihr macht Dinge zusammen, also warum nicht auch Chips zusammen essen? Ich glaube nicht, dass dadurch karma entsteht, außer ihr hängt so sehr an den Chips oder an der Gabel oder am Teller, dass ihr dadurch karma kreiert.

Wir müssen verstehen, was karma erzeugt. Es ist unsere Denkweise, versteht ihr? Wenn unser Verstand auf Dinge fixiert ist, dann erzeugen wir karma. Was geschieht, wenn wir an Dingen hängen und nicht frei davon sein können, wie zum Beispiel, wenn man sich auf das karma fixiert? Alles, was man tut, bewirkt so viel Angst in einem. Natürlich muss man bei bestimmten Dingen wachsam sein, aber wenn man zusammen ist, teilt man wohl sein Leben miteinander, denke ich. Aus diesem Grund glaube ich nicht, dass man deswegen paranoid werden muss. Weil ihr beide auf dem spirituellen Weg seid, bedeutet das, dass ihr euch zu den Lotusfüßen des Herrn selbst hingebt, nicht wahr? Eure Denkweise ist die von Devotees. Wie Krishna sagte: „Meine Devotees kommen zu Mir; diejenigen, die sich Mir hingeben, kommen zu Mir.“ Das ist also das Ziel für euch beide. Wenn das für euch beide das Ziel ist, dann helft euch gegenseitig, das alte karma zu transzendieren. Es geht nicht darum, bei diesen Dingen paranoid zu sein, aber es geht darum, gewisse Dinge zu beachten.

Wenn ihr diese Dinge beachtet, ladet ihr dazu natürlich keine Außenstehenden ein. Denn wenn solche Dinge mit Nicht-Devotees getan werden, ist das natürlich etwas anderes. Dann muss man vorsichtig sein, dann sollte man sich nicht darauf einlassen. Wenn man mit Menschen zusammen sitzt und isst, die keine Devotees sind, die nicht spirituell sind, entstehen Phantasien und Wünsche, und dann wird es natürlich schwierig. Dann erzeugt man karma. Aber wenn ihr zusammenlebt und beide Devotees seid (selbst wenn einer ein Devotee ist und der andere nicht), aber dennoch seid ihr zusammen, und einer hat dieses Bewusstsein, dann wird kein karma erschaffen, weil ihr nicht daran hängt. Die Kartoffelchips sind zu Ende, wenn ihr sie gegessen habt. Was geschieht dann? Am Anfang hat man große Liebe für die Kartoffelchips, doch wenn sie gegessen sind, sind sie erledigt. Dann ist die Freude daran verschwunden. Du kannst die Chips mit deiner Freundin essen und mit der Gabel ihren Teller berühren – das ist keine große Sache, denn ihr seid ja aus einem bestimmten Grund zusammen, nicht wahr?

In der Bhagavad Gita Kapitel 3, Vers 43, sagt Krishna: „Töte den Feind in der Form von Begehren.“ In der Uddhava Gita sagt Er: „Unterdrücke das Begehren nicht, es sollte gewährt werden. Das Begehren sollte sich erschöpfen und nicht unterdrückt werden.“ Kannst Du uns bitte Deine Sichtweise dazu mitteilen?

Ja, es ist das Gleiche. Bhagavan Krishna hat es nur auf eine andere Weise erklärt, damit man es sehen kann. 

Zuerst sagte Er, vernichte das Begehren, dann sagte Er, unterdrücke es nicht. Wie könnte  man frei von Begierden werden, wenn man sie unterdrückt? Er sagt beides – in Kapitel 3 sagt Er: „Du musst alle Begierden loswerden“, und in der Uddhava Gita erklärt Er, wie man das macht. Und das geht nicht, indem man vor ihnen wegläuft, sondern indem man durch sie hindurch geht und sie transzendiert. Versteht ihr? Und durch sie hindurchzugehen und sie zu transzendieren bedeutet nicht, dass man sich darauf einlassen muss. Denn wenn man sich auf ein solches Begehren einlässt, schafft es natürlich Bindungen. Und wenn Bindungen erschaffen werden, wird man nie in der Lage sein, diese liebevolle Beziehung mit Ihm zu erwecken.

In der Bhagavad Gita Kapitel 9, Vers 29, sprach Er: „Alles ist Mir lieb, Ich habe keinen Hass und keine Zuneigung, beides ist für Mich gleichwertig. Ich habe keine Abneigungen und keine Vorlieben, aber diejenigen, die Mir liebevollen Dienst leisten – sie sind in Mir und Ich bin in ihnen.“ Das ist so schön. Denn was ist das Objekt des Begehrens? Es ist die Bindung an eine bestimmte Sache. Man wünscht sich etwas, aber wenn man es bekommt, wie lange ist man damit glücklich? Nicht allzu lange. Ein Objekt der Begierde ist endlich, wisst ihr. Es wird euch nicht immerwährendes Glück schenken. Es wird euch nicht die in eurem Inneren erforderliche Hingabe geben. Wenn ihr so werdet, was geschieht dann? Ihr steckt fest. Und wenn man feststeckt, kann man nicht frei sein. In Kapitel 9 erklärt Bhagavan: „Der Geist, der voller Begierden ist … Selbst wenn Ich im Inneren von beiden bin, denn Ich befinde Mich in denen, die keine Begierden haben und auch in denen, die Begierden haben. Ich bin die Essenz von allem, Ich sitze in beiden gleichermaßen, ob man Begierden hat oder nicht. Aber um Mich zu erreichen, muss man sich reinigen.“

Um sich zu reinigen, muss man geläutert werden. Denn wenn man nicht gereinigt ist, wie würde man Ihn dann fühlen? Wie würde man Ihn erlangen? Das ist unmöglich! „Ich verweile in jenen, die Mir liebevoll dienen, und sie verweilen in Mir.“ Dieser Reinigungsprozess offenbart eine andere Realität, er zeigt die Beziehung, die man zum Höchsten selbst hat. Wenn die Verwandlung geschieht, verschwindet das Verlangen, das Begehren verwandelt sich. Gestern habe ich gesagt, dass der Geist sich in Göttliches verwandelt, dass der Intellekt sich in Göttliches verwandelt und selbst die Sinne sich in Göttliches verwandeln. Wenn dies geschieht, dann wird man zu einem wirklichen Devotee, der alles transzendiert. Denn das einzige Ziel kann auch das Verlangen nach Ihm sein. Verlangen bedeutet nicht nur materielles Begehren, Begehren kann auch auf das höchste Ziel ausgerichtet sein. Dann kann man sich wirklich verwandeln. Dann hat man eine zielstrebige Hingabe.

Im Bhagavatam Canto 11, Kapitel 14, Vers 21, sprach Lord Krishna: „Diejenigen, die hingegeben sind, diejenigen, die diese auf einen Punkt ausgerichtete Hingabe an Mich haben, sind diejenigen, die alles reinigen können.“ Denn sie haben sich selbst gereinigt, sie haben sich verwandelt, sie haben sich verändert, und sie sind ein reinigendes Objekt geworden. Ihre Herzen sind geläutert worden. Sie können sogar diejenigen reinigen, die selbst nicht rein sind. Aber diejenigen, die sich so sehr auf die Erfüllung ihrer äußerlichen Wünsche konzentrieren, die sich mit den äußerlichen Begehren, den materiellen Wünschen usw. beschäftigen, sind in einer bestimmten Realität, die nur sehr schwer zu transzendieren ist, gefangen. Deshalb sagte Bhagavan: „Ich bin in beiden, in allen Wesen, derselbe, Ich bin der Gleiche. Ich empfinde keine Abneigung gegen jemanden und Ich empfinde keine Vorliebe für jemanden. Ich bin die Essenz, derjenige, der im Inneren weilt, Ich bin derselbe. Aber diejenigen, die sich Mir in liebevollem Dienst zuwenden, werden gereinigt, verwandelt und verändert. Sie werden göttlich.“

Weil sie sich transformieren, während sie göttlich werden, durchlaufen sie eine andere Realität. Aber diese Transformation ins göttlich-Sein geschieht nicht „einfach so“. Im Bhagavatam Canto 11, Kapitel 14, Vers 23-24, fährt Er fort: „Was geschieht in jenen, die sich Mir hingeben? Selbst die Haare auf ihrem Körper stehen zu Berge. Wenn ihre Haare nicht zu Berge stehen würden, wie würden dann ihre Herzen in Liebe schmelzen? Würden ihre Herzen nicht in Liebe schmelzen und weich werden, wie könnten dann Tränen aus ihren Augen fließen? Würden nicht spirituelle Tränen aus ihren Augen fließen, wie könnten sie Mir, dem höchsten Herrn, dann einen Dienst erweisen?“

Wenn sie also dem höchsten Herrn keinen Dienst erweisen können, wie würde dann ihr Leben, ihr Bewusstsein, ihre Seele gereinigt werden? Das ist unmöglich. Es geschieht nur durch diesen Prozess. Um diesen Prozess zu erreichen, muss man frei von den nutzlosen Begierden des Äußeren werden. In Vers 24 fährt Er fort, Er sagt: „Die Devotees singen mit erstickender Stimme, mit geschmolzenem Herzen, mit Hingabe und Liebe, sie lachen, tanzen, manchmal erscheinen sie verrückt, aber sie dienen allein Mir.“ Sie reinigen das ganze Universum. Solche Devotees, die völlig frei von allen äußeren Wünschen sind, sind frei von allem.

Wenn wir diese Frage betrachten (was Bhagavan Krishna zu Uddhava sagte) – man muss selbst da durchgehen, denn wenn man es unterdrückt, kann man sich nicht verwandeln. Diese Transformation – Er sagte es im Bhagwat [Srimad Bhagavatam] selbst –, das ist eine Transformation, durch die man hindurchgeht, und damit das geschehen kann, muss man die alte „Wirklichkeit“ loslassen. Wenn man diese alte Realität nicht loslässt, d.h. durch sie hindurchgeht und sie transformiert, dann bleibt man immer das gleiche Selbst. Wenn man also das gleiche alte Selbst bleibt, das man immer war, kann man Ihn nicht erreichen, man kann Ihn nicht in sich selbst finden. Es bleibt nur eine Vorstellung, über die jemand gesprochen hat, aber man wird das nicht fühlen. Aber wenn man einen Devotee sieht – wirklich, das ist schön! Devotees können einfach da sein, sitzen, und den guru anblicken … Ich habe Devotees gesehen, wie sie sind, sie sitzen einfach nur da und Tränen fließen aus ihren Augen.

Letztes Jahr fuhr ich nach Portugal und machte einen Überraschungsbesuch, und es war erstaunlich, das kann ich euch sagen. Swami Aniruddha und ich haben mit dieser Gruppe telefoniert, wir hatten alles schon organisiert. Ich telefonierte also gerade mit Swami Aniruddha, und die Devotees sagten: „Oh, ja, komm, komm, komm!“ Natürlich schauten sie in die andere Richtung – und ich kam von hinten in den Raum! Diese Freude, die die Devotees haben, das kann niemand wirklich verstehen. Das ist das Schöne daran, ein Devotee zu sein. Man kann diejenigen sehen, die wirklich verstehen, was der guru sie gelehrt hat. Es ist nicht nur ein triviales „Glücklichsein“.

Wisst ihr, es gibt viele Lehrer auf dieser Welt. Hier benutze ich das Wort „guru“ nicht, weil sie einfach nur Lehrer sind. Natürlich lehren sie die Menschen, glücklich zu sein, sie begleiten sie dabei, ein „glückliches Leben“ zu bekommen. Aber das wahre Glück liegt nicht in Dingen. Das hat Krishna gesagt, versteht ihr. Geht durch diese Begierden hindurch, um den Unterschied zu erkennen, aber zuerst müsst ihr über sie Bescheid wissen. Wenn ihr sie dann kennt, könnt ihr wirklich sehen, was richtig und was falsch ist. Es geht hier nicht um ein Urteilen, sondern darum, wirklich zu wissen, was wahres Glück ist. Wenn man sich darauf einlässt, was wird das Ergebnis dieses Engagements sein? In diesem Zusammenhang sagte Krishna zu Uddhava, dass man da hindurchgehen muss.

Denn wenn man etwas unterdrückt, wird man es niemals loslassen können, wird man es niemals umwandeln können. Aber wenn man wirklich versteht, wofür man hier ist und was wirklich das Ziel ist, dann wird man wahres Glück erlangen. Andernfalls läuft man nur dem Elend entgegen. Denn diese Wünsche tarnen sich als etwas, was man glaubt zu brauchen. Das kann man gerade jetzt gut sehen. Zum Beispiel dachten die Leute vor einigen Monaten: „Wir müssen hinaus gehen, uns zeigen und auswärts essen, das ist ein Muss, denn in dieser Welt sagen die Leute, das ist etwas Soziales und wir müssen uns an diese sozialen Dinge halten.“ Und jetzt sieht man, dass alle zu Hause sitzen und zu Hause essen. Man dachte, dass man nicht mit seiner Familie leben kann, und jetzt sieht man, dass man mit seiner Familie leben kann. Es gibt so viele Dinge, von denen man dachte, man könnte sie nicht tun, und jetzt tut man sie.

Das ist es also, was Bhagavan Krishna zu Uddhava sagt: Stülpt den Dingen nicht eure eigenen Begrenzungen über. Ihr seid mehr als das. Ihr seid das ewige atma, das in eurem eigenen Inneren ist, und das ewige atma ist frei. Das atma, das in euch ist, ist an nichts gebunden, es ist weder an das Gute noch an das Schlechte gebunden. Der Verstand ist gebunden! Wenn ihr also diesen Verstand nicht transformiert und dafür sorgt, dass er sich von der äußeren Realität löst, er sich von begrenzten Dingen trennt und sich ins Göttliche transformiert, werdet ihr niemals frei sein.

Das ist ein Prozess an sich. Wenn ihr diesen Prozess durchlauft, dann werdet ihr ein Devotee, und dann ist euer Herz mit Liebe und Hingabe erfüllt. Dadurch könnt ihr Giridhariji erreichen, und Er offenbart sich selbst.

Ich sah mir den Film über Srila Prabhupada an und war erstaunt über die eiserne Willenskraft und den unerschütterlichen Glauben eines 70-jährigen Mannes. Ich bin halb so alt wie er und habe definitiv nicht seine Energie – wie können wir diese Willenskraft und spirituelle Stärke auf unserem Weg entwickeln?

Seht, Prabhupada hat viele Jahre gebraucht, um diese Kraft zu entwickeln, nachdem sein guru ihm diesen Auftrag gegeben hat. Er hat das nicht sofort erfüllt. Er wollte ein Familienleben führen, er hatte einen Job als Chemiker und lebte anfangs diese Art von Leben. Als dieser Lebensabschnitt zu Ende ging, sagte man auch, seine Frau sei der Grund für seine Abreise aus Indien gewesen, und nun sei es an der Zeit, das zu tun, worum sein guru ihn gebeten hatte. Doch der guru hatte ihn 30 Jahre früher darum gebeten. Aber glaubt ihr, dass Prabhupada jemals vergessen hätte, worum sein guru ihn gebeten hat? Nein. Sicherlich waren die Worte jeden Tag in seinem Kopf, die Stimme seines guru: „Gehe in die Welt hinaus und bringe ihr die Botschaft des Bhagavatam und der Bhagavad Gita.“ Tag und Nacht waren diese Worte in seinem Geist verankert und er war sich bewusst: „Mein guru maharaj hat mich darum gebeten“, und das wurde diese Kraft.

Wenn man sich darüber klar ist, was man erreichen will, wenn man über seinen Weg klar ist, wenn man sich absolut im Klaren ist, was man tun möchte oder worum der eigene guru maharaj gebeten hat, dann geht es nicht um das Alter, es geht nicht um die Zeit. Eines Tages wird es irgendwie so sein. Sehr oft wollen Menschen Dinge sehr schnell tun, aber alles hat seine eigene Zeit. Wenn man geduldig ist, wenn der richtige Zeitpunkt kommt, um das zu tun, weswegen man hierher gekommen ist, nämlich sein swadharma zu erfüllen, dann nimmt alles von selbst seinen Lauf und alles kommt von selbst und treibt einen regelrecht voran. Aber man muss sich darüber im Klaren sein, man muss bereit sein.

Ich bin sicher, Srila Prabhupadji hat sich nicht hingesetzt, ist untätig dagesessen und hat gesagt: „Ah, ja, wenn die Zeit kommt, werde ich es tun.“ Nein, er hat dafür jeden Tag gearbeitet. Wenn ihr den Film gesehen habt, dieser zeigt, dass er eifrig dabei war, die Übersetzung der ersten drei Cantos des Bhagwat ins Englische fertigzustellen. Ich glaube nicht, dass das eine leichte Arbeit ist, das hat natürlich viele Jahre gedauert. Sein Geist war also darauf gerichtet, dass er eines Tages das tun würde, was sein guru maharaj ihm gesagt hatte. Und sein guru maharaj hatte zu ihm gesagt: „Geh in den Westen und bringe Krishna zu ihnen. Bring die Lehren zu ihnen.“ Das war also sein einziges Ziel, sein eigentliches dharma.

Und wenn man sich darüber im Klaren ist, dann hat man natürlich diese innere Stärke in sich. Wenn man klar ist, dann hat man die volle Kraft in sich, weil man diese Liebe hat, es zu tun. Und wie ich immer sage – wenn man das, was man tut, liebt, dann wird man nicht durstig, dann wird man nicht müde, man tut es einfach. Die Zeit wird vergehen, sie wird verfliegen, und man ist sich nicht einmal bewusst, wie sie vergangen ist. Man setzt sich kurz hin, ist so vertieft in das, was man tut, und nach einiger Zeit bemerkt man, dass inzwischen so viel Zeit vergangen ist. Aber man fühlt sich nicht müde, man spürt keinen Hunger, man ist nicht erschöpft, nichts, denn da ist eine innere Kraft in einem, die erwacht. Ich bin sicher, auch in Srila Prabhupadji steckte diese große Kraft, und er war sich darüber im Klaren. Als er nach Amerika ging, hatte er gar nichts. Er mietete ein kleines Studio und saß dort, und er verlor nicht den Mut. Etwas habe ich gesehen: Obwohl es am Anfang sehr schwierig war, hat er dabei nicht den Mut verloren. Oft wollte er nach Indien zurückkehren, aber Krishna hatte einen anderen Plan.

Heute schickte mir jemand ein Bild. Darauf sieht man jemanden, der Fahrrad fährt. Auf diesem Bild ist eine gerade Straße zu sehen und darunter steht: „Das ist dein Plan“. Jeder möchte, dass die Dinge reibungslos und geradlinig verlaufen. Und darunter sah man Krishnas Plan – hinauf und hinunter, hinauf und hinunter und wieder hinauf. Darum heißt es: Hütet euch vor einer mit Blumen gepflasterten Straße, denn sie wird euch nirgendwo hinführen. Aber ein Weg, der mit Schwierigkeiten und Dornen gepflastert ist, macht euch zu dem, was ihr seid, und ihr werdet euer Ziel sehr leicht und gestärkt erreichen. Denn Er wird euch zu diesem Ziel führen, Er wird euch beistehen.

So erwacht auch Mut in jenen, die sich über ihr Ziel im Klaren sind. Andernfalls breitet sich Zweifel aus. Dann wird man das Vorhaben in eine Ecke werfen, man wird faul und sagt: „Okay, ich habe ja Zeit, ich werde es tun.“ Wie ich schon sagte, heutzutage kann man nicht sagen, wann man Zeit hat, weil man nicht weiß, was morgen ist. Wenn man nicht weiß, was morgen ist, ist es am besten, es jetzt zu tun. Was auch immer ihr vorhabt, wenn ihr den Mut habt und euch darüber völlig im Klaren seid, wenn ihr euch darauf konzentriert, wird alles seinen Platz einnehmen, so wie es sein muss, und auch ihr werdet geführt werden.

Jai Gurudev!

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