Bericht vom 12. und 13. Tag (finaler Tag) der Vaishnava Pilgerreise durch Südindien:

Nach der Einweihungszeremonie für den Giridhar Dham Ashram in Vrindavan (alle Fotos dazu gibt es hier) ging es am Montag, 5. Dezember 2016, für Guruji und einige Devotees direkt weiter auf eine exklusive Vaishnava Pilgerreise durch Südindien.

Vandhanananda schrieb dabei einen Bericht auf Englisch für den internationalen Blog (Facebook). Hier die deutsche Übersetzung seines 12. und 13. Eintrags, mit dem Vandhan uns an den Erfahrungen der Reisegruppe teilhaben lässt:

Tag 12:

Jai Gurudev!

Heute Morgen gab Guruji uns die Gelegenheit, unsere Murtis von ihm segnen zu lassen. Jeder konnte zum Giridhari-Abhishekam in sein Zimmer kommen und am Chanten des Sri Suktam für Mahalakshmi teilnehmen. Zum Schluss konnte jeder Giridhariji Arati sowie Gurudev Dakshina anbieten.

Guruji machte uns klar, wie wichtig Glaube auf dem spirituellen Weg ist. Jeder nimmt sich ein Taxi und vertraut dem Fahrer, jeder steigt in Flugzeuge ein und vertraut dem Piloten – all dies ohne sie persönlich zu kennen. Aber beim Satguru, bei jenem, der sich wirklich um uns kümmert, erlauben wir uns immer noch Zweifel zu haben oder behaupten sogar, dass er uns etwas antun würde, anstatt etwas für uns zu tun. Guruji war traurig darüber und zeigte auf, wie unrichtig es sei, dem Guru nicht zu vertrauen, da alles was der Meister tut nur dem Wohlergehen des Devotees dient.


Wir sollten außerdem den unmittelbaren Feedback des Satguru nicht fürchten sondern schätzen; es ist diese persönliche Beziehung mit dem Göttlichen anstatt einer unpersönlichen, die uns hilft, auf unserem spirituellen Weg voranzukommen.

Nach der Giridhari-Puja nahmen wir alle im Laufe des Vormittags einen Brunch zu uns. Anschließend gab Swamini Vishwamohini Ma Satsang in der Banketthalle des Hotels. Obwohl ihr zu Beginn nicht zum Sprechen zumute war, wurde es ein sehr ehrlicher und aufrichtiger Satsang, bei dem wir nicht nur unsere Gefühle über das, was Guruji diesen Morgen gesagt hatte teilten, sondern auch erörterten, wie wir das Ego überwinden können, das uns daran hindert, dem Guru voll und ganz zu vertrauen. Mit anderen Worten, was machen wir im Grunde nachdem Gurudev uns etwas gesagt hat, ob persönlich oder in seinem Satsang?

Als erstes müssen wir uns selbst gegenüber ehrlich sein und beobachten, welches Gefühl wir in unserem Herzen mit einem bestimmten Thema verbinden. Dann müssen wir erkennen, ob Ego und Stolz möglicherweise vorhanden sind und dies akzeptieren, wir müssen also dieser Tatsache ins Auge sehen. Wenn wir dies schließlich ohne die Beurteilung des Verstandes getan haben, können wir erkennen, daß unser Vertrauen tiefer sein könnte und, dass wir noch nicht angekommen sind.

Nochmals, es ist nicht immer einfach auszudrücken, wie man sich fühlt, jeder hat jedoch das Werkzeug der Selbstanalyse, das dabei hilft, sich selbst nach und nach in bedingungslose Liebe zu verwandeln. In jeder Beziehung und mehr noch in der Beziehung zu Gott ist die tägliche Rückbesinnung und das ehrliche Bemühen das, was zählt, anstatt unaufhörlich zu wiederholen Ich liebe dich, ich liebe dich”. Die Swamini drückte am Schluss des Satsang ihre Dankbarkeit für die Gesellschaft all der Devotees aus und betete für Gehorsam – die zentrale Tugend die wir brauchen, um unnötige Fehler zu vermeiden und um uns auf Seinen Willen einzustellen.
Jai Gurudev!
(Bemerkung: der Text ist nicht der genaue Wortlaut von Guruji oder der Swamini)

Tag 13 (finaler Tag) – die innere Reise geht weiter:

Jai Gurudev!
Heute ist der letzte Tag unserer Vaishnava-Pilgerfahrt durch Südindien. Die innere Reise geht auf jeden Fall weiter.
Da wir heute Morgen pünktlich in Madurai ankommen mussten, brachen wir sehr früh (etwa um 5 Uhr) von unserem Hotel in Rameshwaram auf. Es war interessant mitzuerleben, wie geschäftig es zu dieser Zeit auf den Straßen bereits zugeht.


Wir hatten die großartige Gelegenheit, Zugang zur Darshanhalle des Meenakshi-Tempels (Durga-Tempel) in Madurai zu bekommen. Normalerweise dürfen nur Inder beziehungsweise Hindus hinein. Da der Darshan von Meenakshi so stark war (es heißt, nur ein einziges Mal da zu sein, nimmt alle deine Sünden weg), möchte ich Ihre Geschichte hier weitergeben, damit alle sie lesen können.
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Die Geschichte von Meenakshi

Der Sohn des ersten Königs von Madurai, der die Stadt erbaut hatte, wurde sein Thronerbe. Der neue König Malayatuvas und seine Frau Kanchanamalai hatten lange Zeit keine Kinder, obwohl sie Opfer brachten und Buße taten. Die Königin jedoch, die in ihrem vorherigen Leben eine große Devotee von Durga war, war in besonderer Weise gesegnet, demnach sollte Durga ihre Tochter werden. Während einer der Opferrungen kam ein dreijähriges Mädchen aus dem lodernden Feuer zum König und der Königin und setzte sich auf Kanchanamalais Schoß.
Der königliche Vater war enttäuscht, da er einen Sohn wollte, aber eine himmlische Stimme befahl ihm, die Tochter wie einen Sohn großzuziehen, damit Sie in der Zukunft ihr Königreich selbst regieren könne. Von Kindesbeinen an wurde die junge Prinzessin in den Kriegskünsten unterrichtet und folgte Ihrem Vater nach dessen Tod auf den Thron, wo Sie eine großartige und fähige Regentin wurde. Andere Könige unterwarfen sich Ihr einer nach dem anderen, da sie nicht in der Lage waren, sich Ihrer Macht zu widersetzen. Sehr bald lag Ihr ganz Südindien zu Füßen.
Es gab jedoch eine delikate Angelegenheit… Die Königin (Sie hieß Thadatagai) war nicht verheiratet und hatte außerdem einen genetischen Defekt – eine dritte Brust. Dieselbe Stimme, die Ihrem Vater befohlen hatte, die Tochter wie einen Sohn großzuziehen, sagte, dass dieser Nachteil verschwinden würde, sobald die Prinzessin Ihren Verlobten sehen würde. Der Verlobte tauchte jedoch nie auf.

Die Unbesiegbare wird besiegt

Aber während einer Ihrer Kriegszüge kam die fähige Königin zum Mount Kailash – der Wohnstätte Lord Shivas – und versuchte, diesen im Sturm zu erobern. Nandi, Shivas schrecklicher Diener, schickte die besten und schrecklichsten Geister, um Thadatagai zu bekämpfen, doch sie wurden von der Macht der Königin zerschlagen. Also… erschien Er auf dem Schauplatz: Shiva selbst – strahlend, schön, unerschütterlich. Bei Seinem Anblick spürte die Königin etwas tief im Herzen und konnte sich nicht mehr von der Stelle rühren. Ihre dritte Brust verschwand plötzlich. Die unbesiegbare Thadatagai wußte, dass sie besiegt war. Lord Shiva sagte, Sie solle zur Hauptstadt zurückkehren und versprach, dass sie innerhalb von acht Tagen Hochzeit feiern würden. Und so geschah es. Die Königin, eine Inkarnation von Durga, wurde von Ihrem älteren Bruder, Lord Vishnu, verheiratet. In Madurai wird Durga „Meenakshi“ genannt und zwar wegen Ihrer Augen, die, was Form und Beweglichkeit anbelangt, Fischen ähneln. Shiva wird hier „Sundareshwara“ genannt, was „schöner Herr“ bedeutet.
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Nach dem Besuch des Tempels gab es ein traditionelles indisches Mittagessen. Bald mussten einige unserer Gruppenmitglieder zum Flughafen aufbrechen, um einen früheren Flug nach Hause zu erreichen. Die anderen machten sich – dank Gurujis Gnade – auf, um Sri Ravithatha zu treffen, und zwar in dem Dorf Alampatti, etwa 20 bis 30 Kilometer außerhalb von Madurai. Er ist ein wahrer Heiliger und obwohl Gurudev nicht mitkam, gab Er für dieses Treffen seinen Segen. Im dortigen Ashram verehren sie Shirdi Sai Baba, deswegen sangen wir in der Haupthalle einige Sai-Bajans, während wir warteten. Dann wurden wir eingeladen, Sri Ravithatha in einem kleinen Zimmer zu treffen, wo er uns liebevoll empfing. Er segnete die Gruppe, bat alle hinein und gab einigen von uns Geschenke (Reliquien). Es gab auch einen schönen  Austausch von Liebe und Freundschaft zwischen den dortigen Ashrambewohnern und unserer Pilgergruppe. Wir machten ein Gruppenfoto und brachen zum Flughafen Madurai auf, um unseren Flug nach Chennai zu bekommen. Ich tippe jetzt die letzten Worte dieses Reiseberichts im Flugzeug, auf dem Flug nach Chennai. Von dort werden alle zu verschieden Zielen aufbrechen, sei es nach Hause, Springen oder Indien.


Es war eine erstaunliche Pilgerfahrt, bei der wir Gelegenheit hatten aus erster Hand etwas über Vaishnavismus zu lernen: Es bedeutet nicht nur, ein Devotee des Herrn zu sein, sondern sich als Diener des Herrn zu betrachten. Es geht nicht nur um eine allgemeine Liebe zu Gott, sondern darum, Gott in einer Beziehung durch Handlung, welche Bhakti ist, zu lieben. Bhakti kann durch die Sadhana Bhakti Margas entwickelt werden, wie Guruji sie für diese Zeit gegeben hat, in der die Herzen der Menschen sich nach einer Möglichkeit sehnen, ihre persönliche Beziehung zum Göttlichen auszudrücken und zu leben. Sri Vaishnavismus hilft, einfach zu lieben, da er die Ergebenheit gegenüber dem Göttlichen mehr pflegt, als die Verschmelzung (und dadurch vor Stolz bewahrt), sowie Dienst am Herrn (also in der Gegenwart sein) als Schlüssel zu dem, was wir wirklich wollen: lieben.
Möge Bhakti Marga bekannt werden und möge diese Pilgerfahrt genutzt werden, diesen Geist zu den Menschen dieser Welt zu bringen und ihnen helfen, in Frieden mit sich selbst zu sein.
Jai Gurudev, alles Liebe!

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