16. April 2020

LIVE FRAGEN & ANWORTEN AUS DEUTSCHLAND
SHREE PEETHA NILAYA ASHRAM

In diesem satsang beantwortet Paramahamsa Vishwananda Fragen über den Wechsel der seva in einen anderen Bereich, warum Weise nicht über den drei gunas stehen, Er spricht darüber, wie man Ihn verehren kann, obwohl man Moslem ist, und Er erläutert den Unterschied zwischen der Sehnsucht nach Gott und der „Lust“ auf Gott.

 

Jai Gurudev, alle zusammen! Willkommen zurück!

Heute [während der Online-Japa-Sitzung] gab es einige Mitteilungen, in denen Leute fragten, was ich in dem Beutel mache. Nun, wir chanten den göttlichen Namen, und in dem Beutel befindet sich ein Rosenkranz, der mala genannt wird. Wir bewegen im Inneren die mala-Perlen weiter und chanten zu jeder der 108 Perlen den Namen Gottes.

Heute war es interessant. Als ich vorhin nach draußen schaute, bemerkte ich, dass viele Flugzeuge fliegen, auch Hubschrauber, und ich habe mich gefragt, was los ist. Vielleicht ist die Normalität wieder zurückgekehrt. Also… ich weiß es nicht. Jetzt ist es wieder ruhig.

Ich habe vorhin etwas sehr Interessantes gelesen. Es geht um einen sehr alten Mann, einen 99-jährigen Mann in England, der die Länge seines Gartens hundert Mal abgelaufen ist. Es ist ein ziemlich langer Garten, er geht mit dem Rollator und er tut das aus Wohltätigkeit. Er sammelt Geld für den NHS oder was auch immer, so etwas in der Art. Aber zu sehen, dass ein so alter Mensch das tut und dass er in einer Woche bereits 13 Millionen Pfund gesammelt hat, das ist sehr schön! Er macht es also nicht für sich selbst, er macht es für Spenden in dieser Zeit der Pandemie, in der die Menschen leiden, und er tut es ganz von selbst. In ein paar Wochen wird er 100 Jahre alt sein, und es ist wirklich inspirierend, wenn man solche Menschen sieht. Er ist ein Veteran, hat im Zweiten Weltkrieg gekämpft und so weiter. Von solchen Menschen hört man sonst nichts, aber wenn sie etwas so Außergewöhnliches tun, erinnern sich die Leute an sie und sie erinnern sich daran, dass sie auf einfache Weise etwas für diese Welt, für ihr Land, beigetragen haben. Wisst ihr, er kann nicht viel tun. Was er also tut – er schiebt einfach seinen Rollator, und er macht das hundert Mal. Und dann sagen die Leute: „Oh, er kann nicht einmal gehen, aber dennoch trägt er etwas zu unserer Welt bei.“

Also überlegt euch mal, was könnt ihr beitragen. Ich sage euch nicht, dass ihr dasselbe tun müsst. Aber lasst euch in eurem Inneren inspirieren, was ihr wirklich zu dieser Welt beitragen könnt. Vor einigen Monaten, als wir im Januar in Indien waren, besuchten wir eine wunderbare Frau namens Sindhu Tai – sie war so süß. Wenn ihr ihre Geschichte hört, wirklich, es ist erstaunlich. Wir haben einige Stunden mit ihr verbracht. Sie war so fröhlich. Sie wird „die Mutter von 1500 Kindern“ genannt, und es ist eine erstaunliche Geschichte. Ich kann euch die Geschichte jetzt nicht erzählen, doch ich habe sie schon früher erzählt. Ihr könnt sie auch im Internet finden. Sehr inspirierend. Wenn ein Mensch das tun kann… lasst euch davon inspirieren.

Wir hören oft, dass Gott uns dorthin gebracht hat, wo wir sein müssen. Ist es also falsch, mit einer bestimmten seva aufzuhören, wenn wir Mühe haben, sie von Herzen zu tun, anstatt eine andere seva zu wählen, die wir leichter mit Liebe ausführen können und wo wir uns „zu Hause” fühlen?

Wisst ihr, jeder sucht nach einfachen Dingen, die man im Leben tun kann. Schaut, wenn ihr eure seva macht und dabei Druck verspürt, dann ist es keine seva; denn wenn ihr einen Dienst tut, muss Liebe darin enthalten sein. Ihr müsst Freude an dem haben, was ihr tut.

Nicht jeder macht gerne das, worum man ihn gebeten hat. Aber so ist das Leben. Wir werden nicht immer die Dinge bekommen, die wir tun möchten, denn jeder will ein einfaches Leben haben. Nennt mir jemanden, der nicht gerne ein einfaches Leben hätte! Aber helfen uns „leichte“ Dinge wirklich dabei, das zu erreichen, was wir erreichen müssen? Das glaube ich nicht! Glaubt nicht, wenn ihr einen Heiligen in tiefer Meditation seht, dass es leicht für ihn ist. Nein, das ist es nicht! Er hat dieses Niveau durch die Mühsal vieler Jahre erreicht.

Also sage ich: „Ja, okay, du kannst deine seva wechseln und eine andere seva machen, aber dann hast du die wahre Bedeutung von seva, die wahre Bedeutung des Dienens, noch nicht wirklich verstanden.“ Denn die wahre Bedeutung des Dienens liegt darin, sich selbst zu vergessen und das dharma, was immer einem gegeben wurde, mit Liebe zu erfüllen.

Du musst die Einstellung ändern, in der du die Dinge siehst, und wie du diesen Dienst siehst. Mit der Frage, die du jetzt gerade stellst, sagst du: „Ja, aber ich fühle das nicht.“ Doch wenn diese seva weggenommen und durch eine andere ersetzt wird, wirst du es auch nicht fühlen, weil du nicht verstanden hast, dass der Dienst auf eine selbstlose Weise getan werden muss.

Wenn wir über Selbstlosigkeit sprechen, bedeutet es, dass du lernen solltest, nicht dich selbst an die erste Stelle zu setzen, sondern den Dienst, den du leistest. Wenn du den Dienst, den du leistest, an die erste Stelle setzt, wirst du sehen, dass du ihn viel mehr genießen wirst. Wenn du dich selbst an die erste Stelle setzt, fühlt sich das Ego durch diese seva verletzt. Das Ego fühlt sich gestört und sagt: „Warum soll ich das machen? Warum sollte ich diese Art des Dienstes leisten? Ich sollte etwas tun, was mich mehr begeistert. Ich sollte etwas tun, was ich gerne mache.“

Aber würdest du wirklich etwas daraus lernen? Nein, du wirst nichts lernen, denn wenn du etwas Leichtes zu tun bekommst, wirst du es für selbstverständlich halten. Du wirst dabei faul werden. Du wirst es nicht wirklich genießen. Aber wenn es bestimmte Herausforderungen gibt, wirst du durch Herausforderungen mehr lernen, als wenn es leicht ist. Du wirst also durch die Herausforderung lernen, dein Ego zu transzendieren. Du wirst zunächst lernen, dich selbst zu transzendieren, weißt du, so wie dieses belanglose Selbst, das wir immer sehen und dann sagen: „Ja, ich habe es satt. Es ist zu viel für mich“ und all dieses Zeug.

Doch wenn wir über Dienst sprechen, wenn wir über seva sprechen, sollten wir zuallererst dieses „kleine“ Selbst vergessen. Wir sollten das, was uns hindert, beiseite legen, d.h. die Denkweise, die sagt: „Nein, ich kann das nicht tun“. Ändere das und sage: „Ja, ich kann es tun. Ich liebe es, das zu machen“, denn was wir als Dienst ausführen, tun wir für den Herrn. Und wenn Er uns diese Aufgabe in unserem Leben gegeben hat, sollten wir sie annehmen. Wir sollten sie lieben, wir sollten sie begrüßen. Auf diese Weise reinigen wir uns selbst, wir transformieren uns selbst. Wenn du gereinigt bist und dich verwandelst, wirst du demütig. Und in einem Zustand der Demut erwacht die Liebe. Wenn du arrogant und voller Stolz und Ego bist, findet die Liebe dort keinen Platz.

Verstehe also, meine Liebe (mein Lieber), es geht wirklich nicht darum, welche Art von Dienst du leistest, sondern mit welcher Einstellung du ihn ausführst und was das Ziel dieses Dienstes ist. Das Ziel ist: Du dienst dem Herrn selbst. Und wenn das klar ist, wirst du es genießen, sogar wenn es sehr schwer ist, weil du zutiefst weißt und darauf vertraust, dass Er weiß, was für dich richtig ist. Und wenn du darauf vertraust, was Er gesagt hat, wirst du sehen, wie leicht es wird – mit dieser Liebe. Wenn du jedoch glaubst: „Ja, wenn ich etwas mache, eine andere Art von seva, zuhause, viel einfacher und…“ dann wirst du auch das nur für eine kurze Zeit genießen und dann nicht mehr. Du wirst eine andere Ausrede finden, um wegzulaufen. Und hier beginnt für viele Menschen ihr Dienst.

Weißt du, wenn es schwierig ist, gibt man sein Bestes, um die Sache besser zu machen. Du wirst dein Bestes geben, um zu dienen. Wenn du dein Bestes gibst, erwacht eine gewisse innere Zufriedenheit, und wenn sie erwacht, gibt sie dir eine solche innere Stärke, dass du noch viel mehr tun kannst. Wenn du hingegen sagst: „Ja, gut, ich werde etwas Leichtes tun, das ich liebe“, dann wirst du das zwar machen, aber – wie ich schon sagte – du wirst damit beginnen, doch es wird nur eine sehr kurze Zeit andauern. Du wirst es für eine gewisse Zeit tun, dann wirst du eine Entschuldigung dafür finden, noch nicht einmal diesen Dienst zu leisten, denn er ist leicht. Und so leicht wie es kommt, so leicht geht es auch wieder. Begreife also, was Dienst wirklich ist, und wenn du dienst, dann wisse, dass du dem höchsten Herrn selbst dienst. Was auch immer Er dir gegeben hat, liebe es.

Wie kommt es, dass der Weise Durvasa in der Geschichte von König Ambarisha so wütend war? Kann ein Weiser die drei gunas nicht überwinden? Und wenn Weise sie nicht überwinden können, welche Chance haben wir dann?

Ah, ja, ihr wisst, das Bhagavatam erzählt diese Geschichte des Weisen Durvasa. Der Weise Durvasa war dafür bekannt, dass er ein sehr leicht zu verärgernder Heiliger war. Aber der Zorn von Heiligen oder Weisen ist nicht als etwas Schlechtes zu betrachten, denn wenn Durvasa nur milde und sanft wäre – würden die Menschen ihn anerkennen? Nein. Es gibt viele Weise, die sehr sanft und sehr nett und sehr freundlich sind, aber die Menschen haben sie nicht erkannt. Aber der Weise Durvasa war wegen seines Charakters zunächst einmal sehr hart mit sich selbst und natürlich auch mit anderen, denn er wollte auch nicht, dass andere Menschen die Spiritualität lächerlich machen, so wie heutzutage.

Gestern schickte mir jemand eine Nachricht, was Leute zum Beispiel über das Ramayana sagen. Es ist traurig zu sehen, wie die Inder selbst ihre eigene Kultur so lächerlich machen. Ihr werdet das nicht in anderen Religionen sehen. Ihr werdet niemals einen Christen sehen, der sich über Jesus lustig macht. Ihr werdet keinen Moslem sehen, der sich über Allah lustig macht, aber ihr seht in unserer eigenen Kultur, wie sich im Hinduismus die Hindus darüber lustig machen, weil es ihnen an Wissen und Verständnis über die Tiefe der heiligen Schriften fehlt. Man braucht also gewisse rishis, wie rishi Durvasa, um alle zu erinnern. Wenn alles sanft verläuft, weiß niemand etwas zu schätzen.

Heute Morgen schickte mir jemand eine Nachricht, die lautete: „Brief vom Coronavirus“, und ich habe sie mir angehört. Es ist, als ob die Natur spricht. Die Nachricht – ich erinnere mich nicht an jedes Wort – aber sie lautete: „Schaut, ich habe Katastrophen in die Welt geschickt, ihr habt nichts gelernt. Ich habe Erdbeben gesandt, ihr habt nichts gelernt. Ich habe viele Naturkatastrophen gesandt, aber ihr habt nichts gelernt.“

Aber durch das, was derzeit geschieht, lernen die Menschen, und ich hoffe, dieses Lernen ist nicht nur für jetzt. Ich habe mir diese Nachricht angehört und dann habe ich dieser Person geschrieben: „Ich hoffe, dass die Menschen in dem Moment, in dem der Lockdown vorbei ist, nicht zu ihrem alten engstirnigen Selbst zurückkehren und dass sie wirklich etwas daraus gelernt haben.“

Und die Antwort, die zurückkam, war: „Ja, doch sie haben auch in den sozialen Medien gesagt, dass die Menschen sich danach sehnen, dass die Kneipen öffnen, dass sie in Restaurants gehen und essen können, dass sie…“  Man sieht den Geisteszustand der Menschen und dass die alten samskaras wieder zurückkehren. Hat die Menschheit etwas gelernt? Haben die Menschen aus allem, was geschieht, etwas gelernt? Scheinbar nicht, wenn sie so denken. Also, wie kann man es diesen Menschen verständlich machen? Wisst ihr, das ist das fehlende Bewusstsein in der Welt.

Deshalb sollten Devotees und Menschen, die auf dem spirituellen Weg sind, das ausstrahlen, was sie in sich haben, wie Durvasa, der ein sehr großartiger Heiliger und Weiser war. Auch wenn er sehr wütend war, bedeutet das nicht, dass er diese Wut in seinem Inneren, in seinen Sinnen, nicht kontrollieren konnte. Er konnte sie gut beherrschen. Aber er musste auf diese Weise handeln, um eine gewisse Disziplin zu zeigen. Und schaut, wenn wir das analysieren: Wenn er nicht wütend auf König Ambarisha gewesen wäre, glaubt ihr, wir hätten eine so schöne lila von Bhagavan, in der Er sagte: „Ich kann dir nicht vergeben. Um vergeben zu können, muss man ein Herz haben. Aber Mein Herz ist nicht bei Mir. Mein Herz ist bei Meinem Devotee“. Und all dies ist nur eine lila, um die Beziehung zwischen Bhagavan und Seinem Devotee zu zeigen. Und sie ist so schön. Wir müssen dem Weisen Durvasa sogar dankbar sein, denn durch diese Erfahrung, durch diese Geschichte sehen wir, dass ein Devotee ein Tempel von Bhagavan selbst ist, und es ist sehr wichtig, wie wir den Devotee behandeln, wie wir miteinander umgehen. Denn man weiß nicht, wer vor einem steht. Man weiß nicht, wann und in welcher Form der höchste Herr kommen wird, wann Er vor einem stehen wird.

Da fällt mir ein, dass mir jemand eine schöne Geschichte geschickt hat. Wenn ich mich an alles erinnere, werde ich sie euch erzählen.

Lord Vitthala steht stets auf einem Ziegelstein, auch in dieser Zeit. Da alle Tempel in Indien momentan geschlossen sind, sogar der Panduranga-Tempel in Pandharpur, beschloss Er, von diesem Ziegelstein herunterzusteigen. Er ging zurück nach Dwarka. Als Er Dwarka betrat, sah Er, dass es überall so ruhig war. Alles war im Lockdown. Niemand war im Palast, keine Bediensteten, denn alle Bediensteten wurden wegen des Coronavirus nach Hause geschickt. Dann sah Er, wie Rukmini fegte, und Er sagte: „Was machst Du?“

Sie sagte: „Nun, wegen des Lockdown sind alle nach Hause geschickt worden, also mache Ich sauber.“ Dann fragte Sie den Herrn: „Wie kommt es, dass Du hier bist? Normalerweise kommst Du sehr spät in der Nacht – nach shejarati – und gehst früh am Morgen wieder zurück.“

Er sagte: „Im Moment ist da niemand, also bin Ich hier. Ich werde hier bei Dir sein. Lass Uns eine schöne Zeit haben, lass Uns eine gute Zeit miteinander verbringen, so wie es in früheren Zeiten war.“

Rukmini sagte: „Okay, was kannst Du tun?“ Dann sagte Sie: „Du kannst Mir bei der Hausarbeit helfen. Wir können mit dem Putzen anfangen.“

Vitthala sagte: „Du möchtest, dass Ich putze? Hmmm – Ich weiß nicht, wie man das macht. Aber vielleicht kannst Du… Schau, Ich werde später kommen, dann können wir einfach zusammen zu Mittag essen, und Ich werde dann ein paar Dinge erledigen.“

Da sagte Rukmini: „Warte, warte! Du sagst, Du wüsstest nicht, wie man irgendwelche Hausarbeiten erledigt, aber Ich werde Dich daran erinnern. Als Chokhamela da war, konntest Du seine Kuh zum Grasfressen bringen. Das konntest Du tun. Als Janabai da war, konntest Du Janabai helfen, das Mehl zu mahlen und alle Aufgaben im Haus zu erledigen. Du konntest zu Eknath gehen und sein Wasser tragen und sein Haus reinigen. Und Du konntest zu Sakhubai gehen und ihre Hausarbeit erledigen.“

So sprach Sie über all die Heiligen, und Bhagavan wurde ein bisschen nervös und sagte: „Gut, was kann Ich da noch sagen? Erst sage ich Dir, dass Ich nichts tun kann, doch Du hast Mich dabei erwischt. Zum Wohle Meiner Devotees habe Ich so viele Dinge getan.“

Rukmini fuhr fort…

Genau zu diesem Zeitpunkt kam Garuda und verkündete, dass Narada gerade angekommen sei. Und Bhagavan war so glücklich, dies war ein Weg, um zu entkommen. Garuda kam, Narada kam, und Narada flüsterte Vitthala etwas ins Ohr und ging. Und Vitthala beeilte sich, Dinge zusammen zu sammeln. Er zog sich um und sammelte Sachen ein, Er fing an, Seine Tasche zu packen und war bereit zu gehen.

Rukmini sagte: „Wohin gehst Du?“

Er sagte: „Nun, es gibt einen Notfall, Menschen brauchen Meine Hilfe. Weißt Du, wegen dieses Coronavirus muss Ich gehen und den Menschen helfen.“

Rukmini sagte: „Das Mittagessen ist fertig. Iss und dann gehst Du.“

Er sagte: „Nein, nein, nein, nein, Ich kann nicht! Ich muss gehen.“

Er eilte also schnell hinaus, und Rukmini trug wie immer das Essen hinter Ihm her, denn der Herr ist immer unterwegs. Rukmini ließ sich davon nicht stören und sagte: „Oh, das ist normal“. Also packte Sie das Essen ein und lief Ihm hinterher.

Dann kam Sie wieder zur Erde und sah, dass der Herr die Gestalt eines Polizisten angenommen hatte, und Er sagte zu den Menschen: „Nein, geht zurück nach Hause“. Als Rukmini das Essen für Ihn brachte, gab Er sogar dieses Essen weg. Er stand einfach da, die Hände in die Hüften gestemmt.

Das ist eine so schöne Geschichte, auch wenn sie fiktiv ist. Sie zeigt, wie sehr sich Bhagavan zu jeder Zeit kümmert.

In dieser Geschichte, als – wie du sagst − der Weise Durvasa wütend war, da erlaubte Er ihm wütend zu sein, auch um zu zeigen, wie viel Liebe Er für Seinen Devotee hat und wo Er wirklich weilt. Er weilt nicht in Vaikuntha – Er weilt im Herzen des Devotees, und das ist es, was wir begreifen müssen. Wie ich schon zuvor sagte, wenn ihr euch die Weisen anseht – sie werden oft wütend und sind streng, weil diese rishis die Menschen etwas lehren. Wenn das Leben leicht und unbeschwert ist, wollen die Menschen nichts ändern, eben weil es leicht ist. Sie glauben, das Leben ist so: Man wird geboren, man geht durchs Leben, arbeitet, hat eine Familie, arbeitet wieder, man sammelt Geld an und dann stirbt man. Dasselbe habt ihr auf diese Weise in Millionen von Leben getan. Aber wenn ein strenges Machtwort gesprochen wird, dann fangt ihr an zuzuhören.

Auf die gleiche Weise hat das Coronavirus der Menschheit einen deutlichen „Klaps“ gegeben, so dass man nun hinschauen muss. Wenn man weise ist, beginnt man, sich um die Natur und auch um sich selbst zu kümmern. Viele Menschen gehen nicht hinaus. Warum? In diesem Moment erkennt ihr, wie wichtig das Leben für euch ist. Euer Leben ist sehr wichtig. Wenn ihr hört, dass überall Tausende von Menschen sterben, in allen Ländern, dann fangt ihr an, darüber nachzudenken, wie wichtig das Leben ist.

Daher muss die Natur manchmal einen „Klaps“ geben. Genauso mussten auch die rishis damals manchmal wütend sein, um eine gewisse Disziplin zu zeigen oder um verständlich und bewusst zu machen, was man an sich selbst ändern muss. Ich glaube, die lila, die Bhagavan inszenierte, soll wirklich zeigen, wo der Herr wohnt. Deshalb hat Er in diesem Fall rishi Durvasa eingesetzt.

Ich bin Moslem und ich liebe Dich sehr. Meine Freunde akzeptieren keine anderen Religionen, und so ist es schwer, offen über Deine Liebe und Deine Devotees zu sprechen. Ich möchte Deine Bilder an die Wand hängen,  aber in unserer Kultur werden sie das kritisieren. Was soll ich tun?

Schau, ob du Moslem, Christ oder Hindu bist, was auch immer, zunächst musst du wissen, dass wir alle Menschen sind. Und natürlich gibt es unterschiedliche Wege, und die Menschen haben unterschiedliche Auffassungen von den Dingen. In der Kultur, aus der du kommst, gibt es keine Bilder, und natürlich ist es ein Ärgernis, ein Bild von jemandem an die Wand zu hängen (bis die Menschen das zu schätzen wissen…). Doch du brauchst mein Bild nicht an der Wand haben. Du kannst es in deinem Handy haben, du kannst es in deinem persönlichen Zimmer haben. Du musst es nicht im Außen zeigen, wenn die Leute dich dafür kritisieren. Aber natürlich, wenn du stark genug bist, dann: „Zur Hölle mit den Leuten“. Aber wenn es viele Probleme verursacht, dann ist es besser, das Problem einfach zu vermeiden.

Folge der Lehre und wachse innerlich. Lass diese Liebe in deinem Inneren wachsen. Es geht nicht um das Bild im Außen, es geht darum, das Bild in deinem Inneren zu haben. Es ist schön, ein Bild im Außen zu haben, aber es ist viel schöner, das Bild in dir zu haben. Und du brauchst nicht über mich zu sprechen, wenn es sehr schwierig ist. Sprich einfach über die Liebe Gottes. Da gibt es keinen Unterschied.

Ich bin hier, um euch zu erinnern. In meinem Leben geht es darum, den Menschen zu zeigen, wie sie jene Begrenzungen überwinden können, über die die Menschheit schon immer nachgedacht hat: nicht nur ein menschliches Wesen zu sein, sondern sich in das göttliche Selbst zu verwandeln, das in einem selbst ist. Und das ist jenseits aller Religionen. Ich beziehe mich sehr oft auf die Bhagavad Gita, denn das, was Krishna gesprochen hat, hat Er zur ganzen Menschheit gesprochen. Alle großen Meister, die gekommen sind, haben der Menschheit ihr Wissen über die Liebe gegeben. Es ist nicht nur für eine Art von Menschen, Liebe ist universell und Gott ist universell.

Wie können wir zwischen der Sehnsucht nach Gott und der „Lust“ (nicht im sexuellen Sinne) auf Gott unterscheiden, wenn wir Ihn besitzen wollen?

Schau, ich würde nicht das Wort „Lust“ verwenden, denn wenn man einen „lustvollen“ Weg zu Gott hat, bedeutet das bereits: auf sexuelle Weise. Sehnsucht nach Ihm, wenn dein Herz brennt, das ist es! Man kann viele Ausdrucksformen dieser Sehnsucht haben, so wie wir über die bhavas gesprochen haben. Ein paar satsangs zuvor habe ich über bhava gesprochen. Verschiedene Menschen haben verschiedene bhavas, die in ihnen erwachen, verschiedene Emotionen, die in ihrem Herzen erwachen. Und diese Art der Sehnsucht in euch erwacht aufgrund eurer Beziehung zu Ihm durch viele Leben.

Manche Menschen können Ihn auf jede Art und Weise lieben. Aber das Wichtigste im Leben ist wirklich, wenn du diese Sehnsucht nach Ihm hast, dieses Verlangen nach Ihm. Lass es also stärker in dir werden, bis du erstickst, bis du wirklich nicht mehr atmen kannst. Wie es beim Coronavirus jetzt gerade heißt: Du kannst nicht richtig atmen, wenn du tatsächlich den Coronavirus hast. Wenn du die Aussagen vieler Menschen hörst, die den Coronavirus hatten, sagen sie, dass man nicht atmen kann, und es ist ein schreckliches Gefühl. Aber Liebe ist die gleiche Art von Gefühl. Sehr oft sprechen Menschen von Liebe, aber ich frage, wie viele Menschen wissen tatsächlich, was Liebe wirklich ist? Ihr redet über Liebe, aber dennoch vergesst ihr sie schnell wieder. Wenn wir hingegen über diese Sehnsucht und dieses Verlangen sprechen – diese Liebe kann man nicht so leicht vergessen! Selbst wenn man sie vergessen will, man kann sie nicht vergessen.

Wie Surdas zu Krishna in einer seiner Schriften sagte: „Du bist der höchste Herr, und Du bist der Herr der Liebe. Du bist der Herr von allem. Ich habe gehört, Du kannst alles machen. Aber kannst Du diese Liebe aus mir entfernen?“ Das ist es, was er zu Krishna sagte. Und Krishna blickte nach unten und sagte: „Nein, das kann Ich nicht. Diese eine Sache kann Ich nicht tun. Ich kann diese Liebe, die in dir ist, nicht wegnehmen; denn das ist es, wonach Ich mich sehne, wonach Ich verlange. Ich sehne mich nach Meinem Devotee, nach der Liebe Meines Devotees, danach hungere Ich. Es gibt nichts anderes, wonach Ich hungere.“

Es gab einen Heiligen namens Bhojan Gosai [Bhugarbha Goswami], oder so ähnlich. Er war ein großer Devotee von Gadadhar Pandit, der wiederum ein Devotee und enger Vertrauter von Chaitanya Mahaprabhu war. Als Bhugarbha Goswami über die Größe von Krishna hörte, verließ er alles und gab sich hin. Er kam nach Vrindavan und lebte dort, machte sein japa und vertiefte sich wirklich in das Chanten des göttlichen Namens, versenkte sich in die Meditation über Lord Krishna. Und er fand eine so große Glückseligkeit in seinem Inneren.

Seine sadhana war, dass er jeden Tag seinen ashram verließ und zum Govardhana parikrama aufbrach. Das war seine tägliche sadhana. Und wenn er ging, war er in einem solchen bhava und in einer solchen Stimmung, dass er seiner selbst nicht bewusst war.

Einmal stieß er mit seinem Fuß gegen einen großen Stein. Natürlich verletzte er sich schwer und blutete, und er konnte nicht mehr gehen. Also saß er da und hatte Schmerzen. Stellt euch diese Zeit damals vor – im Jahre 1500. Er hatte Schmerzen, die Zeit verging, und dann versuchte er wieder zu gehen. Er hinkte, doch er konnte nicht gehen. Aber in seinen Gedanken war er mehr besorgt darüber, wie er seinen Dienst beenden würde. Er sorgte sich nicht wegen seiner Füße, sondern weil er zurück in seinen ashram musste, um den bhog [Essen]-Dienst zu leisten. Er musste Thakurji bhog darbringen und er musste Thakurji schlafen legen. Und um das sorgte er sich, nicht um seine Füße, er vergaß seine Füße. Er hat nicht einmal Bhagavan um Hilfe gebeten.

Als Lord Krishna sah, dass Sein Devotee litt, kam Er als sadhu verkleidet. Er kam als sehr gut gebauter sadhu getarnt und sagte: „Ich werde dir helfen. Ich werde dich zu deinem ashram bringen.“

Bhugarbha Goswami sagte: „Nein, nein, nein. Du bist ein sadhu. Auch wenn du sehr muskulös bist, du bist immer noch ein sadhu, das will ich nicht. Ich sollte dir dienen, du kannst mich nicht tragen“. Aber der „sadhu“ bestand darauf.

Krishna in der Form des sadhu nahm Bhugarbha Goswami, legte ihn über Seine Schultern und trug ihn zu seinem ashram. Als Er in den ashram kam, setzte Er ihn ab, und Bhugarbha Goswami war sehr dankbar. Er wandte sich um, um Ihm „danke“ zu sagen, aber als er sich umdrehte, konnte er niemanden finden. Und natürlich konnte er in seinem Herzen eine solche Glückseligkeit spüren, und er erkannte, dass es der Herr selbst war, der gekommen war, um ihm zu dienen, ihm zu helfen, um von dem Ort, an dem er gewesen war, in seinen ashram zu kommen, damit er weiter seinen Dienst leisten konnte.

Aber anstatt sich darüber zu freuen, wurde er sehr betrübt und dachte voller Trauer: „Wie kann Er mir dienen? Ich muss Ihm dienen. Ich habe mein Leben hingegeben, um Ihm zu dienen. Dennoch kam Er, um mir zu dienen.“ Wisst ihr, die Heiligen tragen eine solche Demut in sich. Als er dies sagte, fühlte er sich so schlecht und schlief ein. Und als er schlief, träumte er. Bhagavan kam in seinen Traum und sagte zu ihm: „Du brauchst dich nicht schlecht zu fühlen, denn Ich kann den Schmerz Meines Devotees nicht mit ansehen. Wenn Mein Devotee Schmerzen hat, habe Ich Schmerzen“.

Schaut, wie wunderbar das ist: „Wenn Mein Devotee Schmerzen hat, habe Ich Schmerzen. Es bedeutet nichts, dass Ich dich getragen habe. Das solltest du vergessen. Ich möchte, dass Meine Devotees glücklich sind. Und ihr Glück macht Mich glücklicher“.

Als Bhugarbha das hörte, wachte er auf und fühlte sich sehr beruhigt und friedlich.

Das soll euch zeigen, wie sehr Bhagavan sich um jeden Einzelnen kümmert, mehr, als wir selbst das tun. Wenn wir beim guru und bei Gott Zuflucht gefunden haben, kümmern Sie sich auf Ihre Weise. Vielleicht erkennt ihr es nicht, vielleicht seht ihr es nicht, vielleicht fühlt ihr es nicht, aber Sie kümmern sich um jeden Einzelnen, und sie tragen jeden Einzelnen.

Jai Gurudev, alle zusammen!

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