Bericht vom 5. Tag der Vaishnava Pilgerreise durch Südindien:

Nach der Einweihungszeremonie für den Giridhar Dham Ashram in Vrindavan (alle Fotos dazu gibt es hier) ging es am Montag, 5. Dezember 2016, für Guruji und einige Devotees direkt weiter auf eine exklusive Vaishnava Pilgerreise durch Südindien.

Vandhanananda schrieb dabei einen Bericht auf Englisch für den internationalen Blog (Facebook). Hier die deutsche Übersetzung seines 5. Eintrags, mit dem Vandhan uns an den Erfahrungen der Reisegruppe teilhaben lässt:

Heute ist Ekadashi, für Vaishnavas ein wichtiger Fastentag. An diesem Tag halten wir uns im Allgemeinen von Getreide und Reis fern, manchmal essen wir nur Früchte oder sogar gar nichts. Da die meisten von uns auf Mahlzeiten angewiesen sind, frühstückten wir im Hotel und machten uns dann zu einem Satsang auf, der wieder im Hause des Priesters stattfand, bei dem wir gestern gewesen waren. Er ist ein sehr gebildeter Gelehrter in Tamil Nadu und erzählte eine nette Geschichte, die Guruji im Bus für uns wiederholte:
Ein König hatte einen Sohn, der ziemlich faul und nutzlos war. Daher entschloss sich der Vater, ihn aus dem Königreich zu werfen. Der Sohn kannte nur ein paar Lieder. Er pflegte also seine Zeit damit zu verbringen, auf der Straße zu betteln und zu singen. Das ging jahrelang so weiter, und allmählich vergaß der Prinz, dass er eigentlich ein Prinz war. Er begann, sich mit dem Leben eines Bettlers zu identifizieren. Nach zehn Jahren war der König alt gworden und wollte einen Nachfolger für den Thron finden, aber der einzige rechtmäßige Erbe war sein Sohn. Also sandte er seinen Minister aus, um den Sohn zu finden. Er fand ihn – immer noch bettelnd – vor einem Hotel. All die Jahre waren vergangen, und der zum Bettler gewordene Prinz hatte viel über das Leben selbst gelernt. Der Minister näherte sich ihm und sagte: „Der König hat dir vergeben, du kannst ins Königreich zurückkehren.“ In diesem Augenblick warf der Bettler seine Bettelschale weg, stand auf und ordnete an, dass er gebadet, mit neuer Kleidung ausgestattet und mit der Kutsche zurückgebracht werden sollte. Sein Selbstvertrauen war das eines Prinzen. Er sagte, dass er geglaubt hatte, ein Bettler zu sein, weil er immer in der Nähe von anderen Bettlern war. Aber jetzt, wo er an seine wahre Herkunft erinnert worden war, verhielt er sich wieder ganz natürlich wie ein Prinz. Die Leute waren schockiert, eine solche Veränderung seiner Persönlichkeit zu sehen.

Der Guru erinnert uns daran, wer wir sind

Mit dieser Geschichte erklärte uns Guruji, dass der Guru kommt, um uns daran zu erinnern, wer wir sind – das Selbst. In der Bhagavad Gita zwang Krishna Arjuna kein Wissen auf, sondern er erinnerte ihn nur daran, dass er der Atma war. Denn wahre Liebe, die aus dem Bewusstsein der Seele kommt, durchdringt alles.
Das ist die wahre Liebe zwischen dem Bhakta und Bhagavan. Es gibt keinen Unterschied zwischen dem Guru und Gott. Deshalb hat unsere Seele nur einen Platz, und das sind die Lotosfüße des Herrn. (Anmerkung: Der Text entspricht nicht genau Gurujis Worten.)

Wie gestern bereits angedeutet, müssen wir immer für Änderungen auf unserem Weg offen sein. Heute morgen besuchten wir einen Ort, an dem Babaji erschienen ist, ungefähr dreißig Minuten außerhalb von Chidambaram. Der Platz ist sehr ruhig. Wir machten eine Puja und sangen Kirtan für Mahavatar Kriya-Babaji. Einige Mitglieder der Gruppe fanden im Hof einen Ort, an dem sie für ein paar Minuten in Ruhe meditieren konnten.
Zum Mittagessen kehrten wir ins Hotel zurück und erhielten süßes Mahaprasad von Guruji als Dessert. Die meisten von uns tranken noch einmal einen Chai, bevor wir uns für ein kurzes Nickerchen auf die Zimmer zurückzogen.

Am Nachmittag besuchten wir den Srimushnam-Aswatha-Narayana-Swami-Tempel und den Bhoo-Vahara-Swami-Tempel, der eine selbstmanifestierte Murti des Vahara-Avatars (Eber-Inkarnation) beherbergte. Es heißt, dass wir nur einmal im Leben diese Form des Herrn anbeten müssen. Als die Erde in Gefahr war, nahm Vahara Mutter Erde auf seine Stoßzähne. Dabei verlor er einige seiner Haare, die auf sie fielen und zu heiligem Kush-Gras wurden, das bei Vaishnava-Ritualen vielfach verwendet wird.
Wir erfuhren, dass heute sowohl Maha Lakshmis Geburtstag ist, als auch Gita Jayanti. Wir fuhren also fort, die Sri Suktam zu rezitieren ebenso wie den berühmten Vers 66 im 18. Kapitel der Bhagavad Gita, in dem betont wird, dass die Hingabe zu Füßen des Herrn das einzige Mittel der Befreiung ist.

Auf der Busfahrt durch die indische Landschaft sang Guruji zur großen Freude aller mit der ganzen Gruppe Bhajans. Direkt hinter dem großen Varaha-Tempel gab es einen kleineren Tempel für Narasimha und Schlangengottheiten. Wir machten dreimal Parikrama um den Baum in der Mitte und sangen mit Guruji das Narasimha Kavacham. Er wurde von den Swamis des angrenzenden Sri Moola Rama Yagna Varaha Pooja-Tempels herzlich empfangen und erhielt ein Vastram. Zurück im Bus setzten wir unser Bhajan-Singen fort – spanische hingabevolle Lieder von Asha, russische von Swami Sharada und Manorama und französische von Swamini Sarva Thirta Ma. Wir führten auch unsere Mini-Akademie-Kurse über das Sri Suktam und die neun Arten des Bhakti fort. Zu guter Letzt besuchten wir den Sri Veera Narayana Perumal-Tempel, wo wir Darshan erhielten, bevor wir zum Hotel in Chidambaram zurückkehrten. Das Abendessen wurde für uns aufbewahrt, obwohl wir ziemlich spät eintrafen. Guruji gab einen spontanen Satsang am Ende des Abendessens und sprach über die verschiedenen Lilas der Inkarnationen von Rama und Krishna.
Jai Gurudev!

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