10. April 2020

LIVE FRAGEN & ANTWORTEN AUS DEUTSCHLAND
SHREE PEETHA NILAYA ASHRAM, 10. APRIL 2020

Dieser satsang beinhaltet Antworten von Paramahamsa Vishwananda auf die  Fragen, wie man den göttlichen Namen schreibt, Mutter Erde respektiert, sich nicht in den Weg eines anderen einmischt und sich nicht um andere sorgt. Guruji gab auch ein spezielles Mantra, das jeder jeden Tag chanten sollte, eine japamala Runde.

 

Jai Gurudev, alle zusammen! Willkommen in Shree Peetha Nilaya!

Heute ist Karfreitag. Jemand hat mir heute geschrieben und mir eine Frage gestellt: Warum heißt es „Good Friday“ („Good“= gut, also: „Guter“ Freitag), als sie Jesus gekreuzigt haben? Im Grunde nennen sie es „Good Friday“, weil an diesem Tag der Meister als Opfer die ganze Negativität Seiner Jünger und des Volkes auf sich genommen hatte. Als Opfer hat Er das in sich aufgenommen und sie dadurch befreit.

Das ist etwas, was alle großen Heiligen und Weisen, alle sadhus und gurus seit Tausenden von Jahren getan haben. Es wird auf eine Weise getan, die den Menschen verborgen bleibt. Das ist es, was das Leben eines Meisters ausmacht. Das Leben eines Meisters besteht darin, seine Schüler zu erlösen und sie zu diesem göttlichen Bewusstsein zu erwecken. Seht ihr, man nennt den Karfreitag „Good Friday“, weil Jesus an diesem Tag dieses Opfer brachte – es ist eine Selbstaufopferung. Ein Meister opfert so viel für seine Schüler oder Devotees, aber sehr oft sind sich die Devotees dessen nicht bewusst. Der Meister sehnt sich nicht nach Anerkennung, er sagt nicht: „Oh ja, ich tue all diese Dinge“.

Es gibt viele Arten von „Meistern“ auf dieser Welt, die das, was sie tun, um der Anerkennung willen tun, und sie verhöhnen die anderen, sie sagen: „Oh ja, man muss glücklich sein, man muss so und so sein!“ Nein! Ein wahrer Meister bringt dieses Opfer, das niemandem, nicht einmal seinen eigenen Schülern, bekannt ist. Also muss man dankbar sein, dass ein solcher Meister dies getan hat. Deshalb nennen die Menschen den Tag, an dem Jesus gekreuzigt wurde, „Good Friday“, weil Er sich bereitwillig als Opfer gab, all diese Negativität in sich aufnahm und dadurch Seine Jünger transformierte.

Einige Leute fragen, wie wir Ostern feiern werden und so weiter. Seit etwa 2000 Jahren versucht Jesus, den Menschen klarzumachen: „Seht, es ist nicht im Äußeren, es ist im Inneren. Ich will auferstehen, Ich will in deinem Inneren erweckt werden!“ Meditiert über das, was Er gelehrt hat, den Weg der Liebe, den Weg der Hingabe an den Willen Gottes, und seht das in euch selbst. Er hat nicht gesagt, dass man hinter Ihm herlaufen muss, nein. Er sagte, man muss sich wie Er verwandeln. Werdet wie Er und wacht auf, schlaft nicht! Solange man schläft, nimmt man diese Welt als etwas Schreckliches wahr. Aber sobald man aufwacht, nimmt man sie völlig anders wahr.

Kürzlich hörten wir von Likhita japa (die göttlichen Namen schreiben) und dass dies nur mit dem Segen des satgurus und Seinen Anweisungen geschehen sollte. Kannst Du uns mehr über die Praxis, den Nutzen und die Herausforderungen dieser sadhana erzählen?

Bei Likhita japa gibt es keine Herausforderungen, die Herausforderung ist höchstens, dass die Hand müde wird und die Finger anfangen zu schmerzen, aber es ist eine der schönsten Arten, japa zu machen. Es stimmt, wenn man etwas schreibt, prägt es sich mehr in den Geist ein. Dasselbe gilt auch auch für das Schreiben der göttlichen Namen, für japa. Sehr oft höre ich Leute sagen: „Oh, ich chante immer und überall, wo ich auch gehe“. Es stimmt, es ist sehr wichtig, den Namen Gottes zu chanten, wo auch immer man ist, was auch immer man tut, aber man muss sich darauf konzentrieren! Unser Verstand ist so, dass er stets von einem Gedanken zum anderen springt, von einer Sache zur anderen, und unser Geist, unsere Sichtweise, nimmt bestimmte Dinge auf und diese bleiben als ein Abdruck, als ein Bild in uns. Vielleicht seid ihr euch dessen nicht bewusst, aber das spielt sich dann – wie eine alte Aufnahme – in eurem Geist ab.

Wenn ihr japa macht … ich erkläre zuerst, wie man es mit der japamala macht, denn das erzeugt einen bestimmten Fokus. Seht ihr, diese Bewegung, mit der ihr das macht – da werden Energiepunkte an euren Fingern aktiviert. Diese Energiepunkte, die gedrückt werden, erzeugen eine Rückwirkung auf euren Fokus. Ihr macht diese Bewegung, ihr drückt auf diese Punkte, und so wird die Konzentration auf den göttlichen Namen, den ihr chantet, verstärkt.

Likhita bedeutet „schreiben“. In der Vergangenheit – ich spreche nicht von jetzt, denn jetzt ist nur dieses tik, tik, tik, tik, tik, tik (Tippen auf einem Mobiltelefon) -, als die Menschen noch schrieben, hat sich das in ihr Gehirn eingeprägt. Deshalb hatten Menschen, die schrieben, mehr Fokus, mehr Konzentration, und ihre Gehirnkapazität war viel größer als heute. Das Schreiben ist sehr wichtig. Wenn man schreibt, ist man noch konzentrierter als bei „normalem“ japa. Deshalb ist es sehr wichtig zu verstehen, dass man Likhita japa nicht einfach praktiziert und sagt: „Gut, ich schreibe einfach den Namen des Herrn, das war’s, fertig“. Nein, man muss verstehen, wenn man den Namen des Herrn schreibt, ist das Schreiben der Herr selbst. Man schreibt Seinen Namen, und es ist kein Unterschied zwischen Seinem Namen und Ihm.

Ihr müsst euch ganz klar bewusst sein, während ihr schreibt, wird das Buch zu einem Tempel. Dieses Buch ist kein normales Buch, das man einfach nehmen und irgendwo hinlegen kann, links, rechts. Nein! Deshalb heißt es, der Segen des guru ist erforderlich. Auch die Erklärung, wie und warum man Likhita japa macht, ist erforderlich, denn dieses Buch, in das man den göttlichen Namen schreibt, ist der Herr selbst, und man kann Ihn nicht einfach irgendwo ablegen. Man muss das wertschätzen! Das Schreiben der göttlichen Namen ist sogar noch kraftvoller als „normales“ japa, denn es steigert eure Fähigkeit, euch zu konzentrieren, es erhöht die Kapazität eurer Konzentration.

Wenn man also den Segen hat, Likhita japa zu praktizieren, sollte man es tun. Aber beachtet eines: dieses Buch, in das ihr schreibt, ist der Herr selbst. Jeder Name ist sehr machtvoll. Schätzt das! Wann immer wir einen Tempel bauen, werden diese  Bücher normalerweise im Inneren des Tempels unter den Gottheiten platziert. Beim Erbauen werden diese Bücher unter die Stelle gelegt, an der dann die Gottheiten stehen. (Es gibt bestimmte Tempel, in denen es Stellen gibt, zu denen man einfach hingehen und das Buch selbst hineinlegen kann.) Also legt es nicht einfach irgendwo hin, denn es ist kein Unterschied zwischen dem Namen des Herrn und Ihm selbst. In diesem Wissen könnt ihr den göttlichen Namen schreiben und das wertschätzen.

*Besondere Anmerkung: Nach diesem Satsang kündigte Gurudev an, dass jeder Likhita japa machen kann, ohne zuerst den Segen des guru einzuholen. Man muss  jedoch einiges darüber wissen, wie man es richtig macht, also fragt bitte einen BM Swami, bevor ihr beginnt.

Ich bin ein 10-jähriges Mädchen und würde gerne wissen, warum Mutter Erde so schön und gebend ist, und trotzdem respektieren wir sie nicht und zerstören sie immer wieder?

Meine Liebe, es ist eine schöne Frage, die du gestellt hast. Wenn man 10 Jahre alt ist, sieht man deutlich, wie viel einem seine Mutter gegeben hat. Hat deine Mutter dich jemals um etwas als Gegenleistung für das, was sie tut, gebeten? Nein. Eine Mutter gibt immer. Egal, wie es dem Kind geht, die Mutter sorgt sich immer um das Kind.

Mutter Erde hat ein tiefes Verständnis für ihre Kinder, und Sie reagiert nicht immer auf alles. Aber wir Menschen müssen auch erkennen, was wir Ihr geben können, was können wir für Sie tun? Sehr oft nehmen wir alles, was Sie uns gibt, als selbstverständlich hin, und wir machen so weiter – nicht nur ein Leben, sondern ein Leben nach dem anderen, ohne zu erkennen, dass wir etwas zerstören, das uns frei geschenkt wurde. Wisst ihr, oft ist es so: Wenn wir Dinge umsonst bekommen, nehmen wir sie als selbstverständlich hin. Alles, was die Menschen umsonst bekommen haben, nehmen sie als selbstverständlich hin, weil sie denken: „Ja, es ist frei, wir nutzen das aus, wir werden immer nehmen, wir können uns einfach alles nehmen“. Die Menschen denken nur an sich selbst, auf gierige Weise. Deshalb ist es wichtig, für Mutter Erde zu sorgen.

Deshalb habe ich zu Beginn des Jahres alle gebeten, Bäume zu pflanzen, nicht wahr? Ich habe darum gebeten, einen kleinen Beitrag für Mutter Erde zu leisten. Wisst ihr, wie viele Bäume gefällt worden sind? Wie viele Wälder sind für die Gier der Menschen verbrannt worden? Aber dennoch trägt die Mutter alles. Ja, man sollte wirklich dankbar sein.

Lord Rama hatte einen Bruder namens Bharata. Als Er in den Wald ging, sagten alle: „So, Rama ist jetzt in den Wald gegangen, also bitte, Bharata, nimm du jetzt den Thron von Ayodhya ein“. Bharata sagte mit gefalteten Händen: „Wie kann ich auf dem Thron von Ayodhya sitzen? Wenn ich das tue, wäre nicht einmal Mutter Erde in der Lage, einen solchen Heuchler wie mich zu ertragen.“

Die Menschen sagten: „Warum sagst du das? Es hat so viele Dämonen und Könige gegeben, die versucht haben, Mutter Erde zu zerstören, wie Hiranyakashipu und so weiter. Dennoch reagierte Sie nicht auf diese. Warum sollte Sie beleidigt sein, wenn du, der Bruder von Rama, auf dem Thron sitzt?“

Bharata sagte: „Mutter Erde weiß, dass das Dämonen sind. Hiranyakashipu und so weiter waren Dämonen, und doch trug Sie sie, weil dies ihre Natur war. Ich bin jedoch der Bruder von Rama, daher wäre es noch schlimmer, wenn ich mich so dämonisch verhalten würde.“

Das ist wahr. Seht, die Menschen haben ihre wahre Natur, ihr göttliches Selbst, vergessen, und sie verhalten sich schlimmer als Dämonen – denn Dämonen haben bestimmte Lebensgrundsätze. Aber wenn wir uns die Menschen ansehen, wo sind diese Grundsätze im menschlichen Leben? Wir müssen vor allem sehen, was wir für Mutter Erde tun können. Zunächst müssen wir erkennen, dass wir Menschen sind, und dass wir mit Liebe und Mitgefühl ausgestattet sind. Und das sind zwei Dinge, die alles verändern können. Wenn wir mit Liebe und Mitgefühl erfüllt sind, werden wir uns um Mutter Erde kümmern, wir werden uns um die Natur kümmern, wir werden anfangen, uns selbst zu betrachten. Das ist sehr wichtig.

Die Mutter erträgt geduldig alles. Es liegt an uns, zu erkennen, ob wir diese Last für Sie schwerer oder leichter machen, und das hängt von jedem Einzelnen ab. Wir können nicht von anderen Menschen verlangen, das zu tun, wenn wir es selbst nicht tun. Nein, zuerst müssen wir das in uns selbst umwandeln, wir müssen uns selbst beobachten.

Einige unserer Devotee-Freunde korrigieren mit großer Begeisterung andere Menschen. Wie können wir spirituell bleiben und nicht zu religiösen Eiferern werden? Steht es außer dem guru und den Swamis jemandem zu, sich in unsere Wege einzumischen?

Es ist wahr, die Leute korrigieren gern. Ich bekomme diese Art von Fragen oft. Seht, das ist sehr menschlich. Sehr oft lesen die Menschen ein bisschen etwas, halten sich dann für sehr sachkundig und versuchen deshalb, den Weg, den jemand geht, das, was jemand gerade tut, ausführlich zu erläutern und sie zeigen mit dem Finger auf andere Devotees. Aber immer, wenn sie mit einem Finger auf andere Devotees zeigen, gibt es drei Finger, mit denen sie auf sich selber zeigen. Sie sind sich nicht bewusst, dass es falsch ist, was sie tun. Durch das, was in ihren Gedanken ist, sind sie stolz und glauben, was sie tun, ist richtig. Sie denken, dass sie mit diesem Wenigen, das sie im Kopf haben, alles wissen. Heutzutage denken die Leute: „Seit ich diesen oder jenen Kurs besuche oder seit ich dieses oder jenes Studium mache, bin ich besser als alle anderen. Ich weiß mehr als sie, ich muss jeden belehren und jeder muss mir zuhören.“

Dasselbe gilt auch für Devotees. Manche von ihnen sagen zu anderen Devotees: „Ich weiß es besser als du, du hörst mir besser zu“. Wir tun alles, um allen das gleiche Wissen zu vermitteln, und wenn man schlau ist, studiert man dieses Wissen. Dann wird man sehen, dass man wissen sollte, was auf dem eigenen Weg zu tun ist. Man kann von niemand anderem, nicht einmal von Freunden, erwarten, dass sie einem etwas über den eigenen Weg erzählen können. Man muss stark sein und seinen Weg genau kennen, um „richtig“ zu antworten. Nicht auf eine ungute Art und Weise, sondern damit man ihnen klar macht: „Das ist mein Weg, ich weiß, was ich tue. Nach Anweisung meines guru und durch das, was mein guru mir als sadhana gegeben hat, tue ich nur, was mein guru mir sagt. Es steht dir nicht zu, mir zu sagen, dass das, was mein guru gesagt hat, falsch ist.“

Stellt euch vor, wenn ihr das mit euren Freunden machen würdet, wie würden sie reagieren? In dieser Welt gibt es viele Menschen, die sehr gebildet sind. Sie haben die Schriften studiert und so weiter, aber sie haben die Schriften nur studiert, um bestimmte Dinge zu wissen. Sie leben nicht das, was die Schriften ihnen sagen. Das sind meistens die Art von Menschen, die gerne andere belehren, denn wenn sie das leben würden, was die Schriften ihnen sagen, müssten sie nicht herumgehen und es den Menschen erzählen. Sie würden feststellen, dass jeder auf dem eigenen Weg und in seinem eigenen Tempo auf den höchsten Herrn selbst zugeht.

In Kapitel 7, Vers 19 der Bhagavad Gita erklärte Krishna dies deutlich. Er sprach: „Die Weisen kommen zu Mir, nachdem sie sich durch viele Leben hindurch Wissen angeeignet haben. Sie wissen, dass alles nur Ich bin. Es gibt nichts, was ohne Mich existiert.“ Stellt euch vor, Bhagavan Krishna habe gesagt: „Nachdem sich die Weisen durch viele Leben Wissen angeeignet haben, kommen sie zu Mir.“ Er sagte nicht, dass nur diejenigen, die dieses Wissen haben, jetzt zu Ihm kommen. Nein, es war eine Reise durch viele Leben, dass sie dahin gekommen sind. Ihr seid jetzt Devotees – glaubt ihr, das geschieht einfach so? Nein, Bhagavan offenbart sich nicht einfach so. Es ist aufgrund Seiner Barmherzigkeit, Seiner Gnade, durch Leben der Verbindung mit Ihm, durch Leben, in denen ihr euch nach Ihm gesehnt habt, durch Leben der Buße und sadhana, dass Er sich euch jetzt wieder offenbart hat.  Es ist nicht nur ein Leben nach dem anderen, nein, es sind endlose Leben.

Aber er sprach erneut: „Diejenigen, die mit Wissen ausgestattet sind, die weise sind“. Ich spreche hier nicht nur von der Kenntnis der Schriften, sondern von der Erkenntnis, wer ihr wirklich seid, diese Kenntnis des Selbst. Diejenigen, die diese Sehnsucht Leben über Leben haben, schulen sich selbst Leben über Leben. Schulung bedeutet, dass man dieses tiefe Erwachen hat, dass man mehr über Ihn erfahren möchte. Je mehr man über jemanden weiß, desto mehr nimmt die Beziehung zu dieser Person entweder zu oder ab. Und hier sprechen wir über den höchsten Herrn selbst! Je mehr ihr über Ihn wisst, desto besser lernt ihr Ihn kennen. Was denkt ihr – warum sagt Er, warum sagt der guru, dass man ständig über die lila des Herrn meditieren soll? Um Ihn immer besser kennen zu lernen.

Leben um Leben hat man dieses Wissen aufgebaut, und dieses Wissen geht nicht verloren, wenn das Leben endet. Es wird im Bewusstsein abgespeichert und im nächsten Leben macht man wieder weiter. Das Gefühl des Wissens erwacht wieder in euch, es ist eine Fortsetzung. Ihr schreitet weiter voran in Richtung der Erkenntnis, zuerst – wer ihr seid, um dann wirklich auf das höchste Ziel hinzuarbeiten, das der höchste Herr selbst ist.  Das ist nicht nur ein Leben! Diese stetig zunehmende Liebe zu Ihm, hat Ihn dazu gebracht, sich selbst zu offenbaren.

Angenommen, du findest, während du irgendwo gehst, etwas Glänzendes, einen ganz „normalen“ Stein, aber er sieht wunderschön aus. Du hebst ihn auf und denkst, das ist ein normaler Stein und überlegst: „Okay, was ist er wert – es ist nur ein Stein, 10 Euro, nicht mehr“. Er gefällt dir, du behältst ihn, er hat für dich diesen Wert.

Aber eines Tages beschließt du, einen Experten für Steine zu fragen. Dieser Experte schaut sich den schönen, glänzenden Stein an, als Experte weiß er mehr, und er sagt: „Dieser Stein ist 1000 Euro wert“.

Was passiert innerlich in dir? Da ist ein „ahhhh“. Diese neue Bewertung erzeugt ein bestimmtes Gefühl. Der von dir auf 10 Euro geschätzte Stein wurde jetzt mit 1000 Euro bewertet. Das ist eine Wertsteigerung! Zusammen mit dieser Wertsteigerung entsteht Neugierde. Und zugleich mit dieser Neugierde wächst die Liebe zu diesem Stein.

Stelle dir vor, ein noch größerer Experte kommt und sagt dir: „Oh, lass mich diesen Stein sehen, den du hast“. Und während er den Stein ansieht, wird dieser Experte fast ohnmächtig. Was du für einen Stein gehalten hast, ist in Wirklichkeit ein Diamant. Stelle dir vor, er sagt dir jetzt, dass dieser Stein, den der einfache Juwelier auf 1.000 Euro geschätzt hat, 100.000 Euro wert ist! Was geschieht mit dir? Vielleicht haut dich das um!

Also, beobachte dich jetzt, diese Steigerung von 1.000 Euro auf 100.000 Euro, welche Gefühle sind in deinem Inneren? Natürlich wird dein Interesse an diesem Stein größer, und zusammen mit diesem Interesse wächst auch die Liebe zu diesem Stein, den du – als du ihn gefunden hast – anfangs mit 10 Euro bewertet hast. Und jetzt erfährst du, dass dieser Stein 100.000 Euro wert ist! Natürlich wäre deine Liebe überwältigend.

Je mehr du also über den höchsten Herrn weißt, desto mehr wächst dein Interesse an Ihm und desto mehr wird auch die Liebe wachsen. Dieses Wissen, das ohne Liebe nutzlos wäre, ist dasselbe, über das Bhagavan Krishna sprach: „Diejenigen, die viel Wissen erworben haben …“. Es ist nicht nur ein oberflächliches Wissen. Dieses Wissen ist mit der Sehnsucht nach Ihm verbunden. Es ist dieses Wissen, durch das man sich nach Ihm sehnt, dieses Wissen, das Liebe in einem erweckt, und jene Liebe, die einen dazu bringt, sich Ihm hinzugeben. Bhagavan sprach: „Jene, die das haben, wissen, dass nur Ich es bin, der in allem ist. Alles bin nur Ich. Es gibt nichts anderes als Mich.“

Wenn euer Wissen zunimmt, gelangt ihr an diesen Punkt der Vollkommenheit, wo ihr sagen könnt: „Ja, ich weiß es, und ich weiß, was der guru mir gegeben hat“, oder was der guru anderen gegeben hat, um es euch entsprechend eurem Weg zu geben. Ihr müsst am Wort des guru festhalten, nicht an dem eines anderen. Man braucht nicht mit den Leuten zu debattieren, man braucht nicht mit ihnen zu kämpfen – haltet am Wort eures guru fest, nicht an dem von jemand anderem.

Ist die Sorge um andere Menschen und die Aufmerksamkeit, die wir ihnen schenken, Teil der bedingungslosen Liebe, die wir entwickeln müssen?

Nun, wenn man sich Sorgen macht, kann man nicht sagen, es ist bedingungslose Liebe! Wenn man sich Sorgen macht, dann hilft man den Menschen nicht und vor allem hilft man sich selbst nicht! Ich frage dich: Warum machst du dir Sorgen, wenn dein Ziel die bedingungslose Liebe ist? Was ist bedingungslose Liebe? Bedingungslose Liebe ist Vertrauen, nicht Beunruhigung. Man vertraut seinem Weg. Man vertraut auf Giridharijis Liebe und Schutz, also gibt es keinen Grund zur Sorge. Er kümmert sich um alles.  Wo ist dein Vertrauen? Wenn du dir Sorgen machst, glaubst du, dass darin Vertrauen ist? Nein, Sorge ist ein Zeichen, dass man kein Vertrauen hat.  Man sollte sich nicht um etwas sorgen.

Also sich Sorgen machen und Aufmerksamkeit schenken … Ihr seht, diese beiden passen offensichtlich nicht zusammen. Angenommen, jemand braucht Hilfe. Du willst dieser Person helfen, aber du beginnst, dir Sorgen zu machen. Glaubst du, du wirst dieser Person helfen können? Du wirst nie in der Lage sein, dieser Person zu helfen. Du hast nicht die Fähigkeit zu helfen, weil du dir Sorgen machst. Wenn du dir Sorgen machst, wirst du nie in der Lage sein, jemand anderem zu helfen. Wenn du jemandem helfen willst, dann sei frei von Sorge.

Wie du gesagt hast: bedingungslose Liebe. Bedingungslose Liebe und Sorge um etwas gehören nicht zusammen. Du bist hier, um zu geben, also gib! Wenn du weißt, dass jemand wirklich Hilfe braucht, dann hilf dieser Person. Hilf so viel, wie du helfen kannst, hilf den Menschen und vertraue darauf, was immer du tust, der Herr ist mit dir, Bhagavan ist mit dir. Er steht neben dir, also brauchst du dir darüber keine Sorgen zu machen. Du musst es mit Freude tun, mit Vergnügen, denn alles, was du mit Freude und Vergnügen tust, trägt eine andere Art von Frucht.

Doch wenn du etwas aus Sorge tust und denkst: „Oh, ich mache mir Sorgen, ob das gut gehen wird oder nicht“, wird es nie gelingen, weil das Vertrauen, dass es gelingt, nicht vorhanden ist, du machst dir darüber Sorgen. Glaubst du, dass es den Menschen hilft, selbst wenn du ihnen Aufmerksamkeit schenkst? Nein, es wird niemandem helfen. In Wirklichkeit wird es die Angst noch verstärken.

Gib also alles den Füßen des Herrn hin. Führe alles, was du tust, mit der Haltung aus, dass du Gott dienst. Und wenn du diese Haltung nicht hast, während du etwas tust, dann reiche Ihm am Abend vor dem Schlafengehen alles dar. Schließe einfach deine Augen, sage „Krishna-arpanamastu“, und reiche Ihm deinen Tag dar. Reiche Ihm alles dar, was du getan hast, was gut war und was nicht gut war. Das ist eine so einfache Handlung, und doch finden es die Menschen sehr oft schwierig, weil sie denken: „Wie kann ich das, was ich am Tag getan habe, ob es gut war oder nicht, dem Herrn opfern?“ Es stört Ihn nicht. Es bekümmert einen nur selber, weil man sich schuldig fühlt, aber Ihn stört das nicht.

Wenn du wirklich alles mit einer Haltung der Ergebenheit tun willst, dann beginne zu denken, dass bei allem, was du tust, Giridhariji neben dir steht. Eigentlich liebt Er das. Und Er liebt es, wenn man etwas auf einfachste Art und Weise tut. Es muss nicht kompliziert sein, denn sehr oft mögen wir es, unser Leben zu komplizieren. Und doch ist das, woran Er große Freude findet, schlicht und einfach, auf die denkbar einfachste Art.

Wir sagen, dass wir Ihn lieben, wir tun alles für Ihn. Er findet die größte Freude in dieser Einfachheit, nicht in großen Extravaganzen, nicht in dem ausgefallenen großen Drama und der Show, in der die Leute oft denken: „Wir müssen etwas Großes tun, damit Gott uns liebt. Wir müssen etwas Gewaltiges tun.“ Nein, nein, nein, das ist es nicht. Er schätzt die kleinen Dinge, die man tut, wenn man sich dabei an Ihn erinnert.

Ihr wisst, es gibt diese schöne Geschichte im Ramayana über einen Bootsmann namens Kevat. Als Rama und Sita aus dem Königreich verbannt wurden, erreichten Sie den Wald und mussten den Ganges überqueren, um auf die andere Seite zu gelangen.

Da war ein Mann namens Guha. Er war für alle Boote verantwortlich, und er wusste, dass Rama, Sita und Lakshmana verbannt worden waren. Als er sie kommen sah, war er von großer Freude und Glück erfüllt, Rama zu dienen. Er suchte nach einem Boot, um Rama und Sita auf die andere Seite zu bringen, und da sah er, dass Kevat auf der anderen Seite gerade einige Leute absetzte. Er rief ihn: „Oh, Kevat, komm, nimm den Herrn auf dein Boot, um auf die andere Seite zu gelangen!“

Kevat kam, und als er aus seinem Boot stieg, verbeugte er sich vor Sri Rama. Er war so glücklich.

Guha sagte: „Kevat, du bringst Sri Rama auf die andere Seite.“

Kevat antwortete: „Das wird mir eine große Freude sein, mein Herr. Das ist das Schönste für mich.“  Dann sagte er noch: „Ich habe eine Bitte. Bevor Er in mein Boot steigt, möchte ich Seine Füße waschen.“

Guha fragte: „Warum? Lass Ihn in deinem Boot sitzen, und wasche Seine Füße im Boot.“

Kevat sagte: „Nein.“ Er bestand darauf, und Guha wurde ärgerlich auf ihn. „Warum?“

Da erklärte Kevat Lord Rama: „Bitte, ich habe gehört, während Du hierher kamst, hat der Staub Deiner Füße einen Stein berührt und dieser Stein wurde zu einer Frau. Aber weißt Du, mein Herr, dieses Boot ist aus vielen Holzstücken gefertigt, und ich habe nur ein Boot, und ich habe nur dieses für meine Arbeit. Es ist sehr schwierig für mich, das Auskommen zu finden. Wenn also der Staub Deiner Füße dieses Boot berühren würde, wie könnte ich damit umgehen? Weißt du, wenn sich jedes Stück dieses Bootes in eine Frau verwandelt – mit so einem Haushalt komme ich nicht zurecht!“

Mit einer so reinen Unschuld sagte er zum Herrn: „Bitte lass mich Deine Füße waschen“. Sri Rama nahm diese aufrichtige Hingabe an, und Er erlaubte ihm, Seine Füße zu waschen. Und nachdem Kevat seine Füße gewaschen hatte, bat er den Herrn, mit Seinen Füße auf seine Hände zu steigen, während Er in das Boot stieg. Auf diese Weise wurden alle Sünden, die Kevat in seinen früheren Leben begangen hatte, fortgewaschen, durch eine so einfache Tat.

Bhagavan stieg in das Boot und Kevat brachte ihn an das andere Ufer. Dort angekommen nahm Sita Devi einen Ihrer Ringe ab, übergab ihn Rama und signalisierte Ihm, Kevat diesen Ring als Bezahlung zu geben. Sri Rama nahm Sita den Ring ab und sagte: „Bruder, wir haben sonst nichts, wir haben nur das, womit wir dich bezahlen können.“

In diesem Moment sagte Kevat: „Wie könnte ich irgendetwas von Dir annehmen? Wie könnte ich eine Bezahlung von Dir akzeptieren?“

Lord Rama fragte: „Warum nicht?“

Er sagte: „Sieh, wie kann ich eine Bezahlung akzeptieren, wenn wir den geichen Beruf haben. Wenn ein Friseur einem anderen Friseur die Haare schneidet, verlangt er dafür keine Bezahlung. Wenn ein Wäscher die Kleider eines anderen Wäschers wäscht, stellt er keine Gebühren in Rechnung.“

Rama sagte: „Aber wie können wir gleich sein? Du bist ein Bootsmann und ich …“

In diesem Moment sagte Kevat: „Ja, ich bin ein Bootsmann, ich befördere Menschen von einer Seite auf die andere. Aber Du bist auch ein Bootsmann, Du beförderst Menschen von einem Leben zum Bhav-sagara, um den Ozean von samsara zu überqueren.“

Als Lord Rama diese Unschuld und diese Liebe sah, breitete Er Seine Arme aus, umarmte Kevat und sagte: „Du bist frei von allen Sünden, und für dich wird es kein weiteres Leben geben. Du bist vom Kreislauf von Geburt und Tod  befreit.“

Ihr seht, es war eine so einfache Handlung von Kevat, er war nicht sehr gebildet. Er war ein Bootsmann, aber er erkannte den Herrn in allem, was er tat. Er bat Lord Rama: „Bitte schenke mir unendliche Hingabe an Deine Lotusfüße“, also segnete Rama ihn und sagte: „Nach diesem Leben wirst du immer bei Mir sein.“

Stellt euch vor, welche Gnade und welchen Segen Kevat durch einen einfachen Akt des Dienstes an Bhagavan erhalten hat. Wenn man den Herrn selbst zum Ziel jeder Handlung seines Lebens macht – ganz gleich, was man tut, man denkt an Ihn -, dann ist Er immer bei einem, zu jeder Zeit.

So…

Ah, gestern habe ich vergessen, euch etwas zu sagen. Als ich gestern in Meditation saß, gab mir Bhagavan ein mantra. Er bat euch alle, das zu chanten – eine mala.

Das mantra ist:

Sri Vitthala Giridhari Parabramane Namaha

Es bedeutet: Meine Ehrerbietung dem höchsten Herrn, Vitthala, der die Zuflucht und der Schutz aller ist.

Ihr könnt also dieses mantra chanten.

 

Jai Gurudev!

 

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