20. April 2020

LIVE FRAGEN & ANTWORTEN AUS DEUTSCHLAND
SHREE PEETHA NILAYA ASHRAM

In diesem satsang beantwortet Paramahamsa Vishwananda Fragen darüber, wie man dem Göttlichen „unmotiviert“ dienen kann, was Angst ist, Er spricht über Selbstliebe vs. Selbstlosigkeit und wie man Kinder aufzieht, ohne sie zu zwingen, unserer Praxis zu folgen.

 

Jai Gurudev, alle zusammen, erneut willkommen!

Ich bin also aus der Selbstquarantäne entlassen. Das Lustige ist, dass viele Leute gefragt haben, wie diese Quarantäne war. Ich erhielt Nachrichten, in denen stand: „Oh, Swamiji, wie ist es? Ist es schrecklich?“ Nein, es war nicht schrecklich, es war wunderbar. Eigentlich war es wirklich sehr, sehr nett. Es war keine „wirkliche“ Quarantäne (also wie eingeschlossen), ich konnte auf den Balkon gehen und all diese Dinge. Es war wunderbar.

Vor einigen Tagen habe ich mit einem Devotee gesprochen, und wir sagten, diese satsangs könnten die „Covid-19-Serie“ genannt werden! Das war lustig. Wir haben darüber gelacht.

Es ist also wirklich schön, und ich freue mich darauf, einen Spaziergang zu machen. Heute ist es ziemlich windig und frisch. Ich bin auf dem Dach auf und ab gegangen, und jetzt kann ich auch nach draußen gehen, das ist schön. Ich freue mich darauf, zum Tempel zu gehen und auch die anderen Vögel zu sehen.

Was noch? Gestern Abend habe ich einen guten Film über die Heilige Bakhita gesehen, er war wirklich schön. Natürlich ist es ein Film, also ist es nicht wirklich ganz zutreffend, aber er gibt einem eine andere Sicht. Diese Filme über das Leben der Heiligen und der Gottheiten und all diese verschiedenen Aspekte Gottes sind so schön; es ist sehr inspirierend.

Die Schriften sagen uns, dass wir „unmotivierte“ Diener Gottes werden sollen. Ich verstehe nicht, wie man nur um der Liebe willen lieben kann. Wollen wir nicht immer etwas als Gegenleistung, wie Glück oder die Liebe selbst?

Nun, du hast das Wort „unmotiviert“ benutzt, und ich glaube nicht, dass irgendjemand etwas ohne Motiv tut. Selbst wenn wir sagen, wir lieben Gott um Seinetwillen, gibt es ein Motiv, es steckt ein Ziel dahinter. Niemand tut also wirklich etwas ohne ein Motiv dahinter.

Wenn man kein Ziel hat, ist das wie ein orientierungsloses Boot mitten auf dem Ozean ohne Kompass. Was wird geschehen? Das Boot wird sich immer im Kreis drehen. Es ist so, als ob jemand ohne Führer in einen Wald geht; er wird sich mit Sicherheit verirren. Genau so müssen wir im Leben ein Ziel haben. Und es hängt natürlich davon ab, was für ein Ziel man hat, welche Absicht hinter diesem Ziel steht.  Der Verstand ist auf eine Weise angelegt − wir können ihn nicht still werden lassen. Bhagavan Krishna selbst sagte es in der Bhagavad Gita Kapitel 6, Vers 35. Er sagte, dass es in der Tat sehr schwierig ist, den Verstand zu kontrollieren, denn dieser Verstand ist wie ein Affe. Er springt immer von einem Gedanken zum anderen. Wenn wir ihm kein bestimmtes Ziel vorgeben, auf das er sich konzentrieren kann, ist es sehr schwierig.

Natürlich geht es nicht nur um das gedankliche Verweilen. Wenn wir den Verstand selbst analysieren, wie er funktioniert − der Verstand ist entweder in der Vergangenheit oder er beschäftigt sich mit der Zukunft; so konzentriert sich der Verstand. Sehr selten ist der Verstand genau in diesem Moment präsent und genießt das wirklich. Er springt herum, bedauert das, was man in der Vergangenheit getan hat, denkt darüber nach und wird unglücklich, oder er macht sich Sorgen darüber, wie die Zukunft sein wird, an der man eigentlich nichts ändern kann.

Man kann die Vergangenheit nicht ändern, und man kann die Zukunft nicht ändern. Alles ist auf den gegenwärtigen Moment selbst ausgerichtet. Es ist also sehr wichtig, ein Motiv zu haben. In diesem Vers, Kapitel 6, Vers 35, sagt Bhagavan Krishna, dass es in der Tat sehr schwierig ist, den Geist zu kontrollieren, aber mit ständiger Übung und der Loslösung von bestimmten Dingen wird es möglich. Es stimmt, wenn wir eine regelmäßige Praxis in unserem Leben pflegen, ändern sich die Dinge, so wie durch diese satsangs. Ihr alle sitzt jeden Tag da, macht japa, hört dem satsang zu, und natürlich schaut man dann nach vorn, und Veränderungen geschehen.

Wenn ihr euch selbst betrachtet, dann gibt es bestimmte Veränderungen, die in eurem Inneren stattfinden − durch diese ständige Praxis! Also ist es wichtig, ein Ziel zu haben, nicht wahr? Dieses Ziel ist also sehr klar. Ihr wisst, wenn man ein bestimmtes Ziel hat, konzentriert man sich auf dieses Ziel. Wenn wir über die gopis sprechen −  ich wiederhole das immer wieder − wenn wir über die gopis sprechen, ihr Ziel war Krishna. Das ist nicht ziellos, es ist nicht: „Okay, ich fokussiere mich auf eine Leere, von der ich keine Ahnung habe, was das ist“.

Ihr wisst: „Es ist Gott, ich kenne Ihn, und Er kennt mich. Wir haben diese gemeinsame Beziehung“. Und aufgrund dessen gibt es ein Ziel. Und in diesem Zusammenhang sehen wir auch, was Bhagavan sagt: konstante Praxis. Konstante Praxis ist das Ziel, das wir in unserem Leben anstreben. Als Devotee sollte das Ziel nicht nur oberflächlich sein. Die Menschen reden über Glück: „Oh, sei einfach glücklich“, aber sind sie wirklich glücklich? Wenn man über Glück nur spricht, wird man nicht glücklich. Man muss ein Ziel haben, auf das man sich konzentrieren kann, etwas, das einen vollkommen glücklich macht, nicht nur heute, sondern auch morgen. Man ist sonst nicht glücklich, weil die kreisenden Gedanken im Kopf ständig Druck auf einen ausüben.

Das Ziel ist es, sich selbst zu transformieren. Das Ziel ist es, die Lotusfüße von Sriman Narayana zu erreichen. Das ist das Ziel. Um dieses Ziel zu erreichen, muss man sich von vielem lösen, das bedeutet, Dinge loslassen, die nicht mit diesem Ziel verbunden sind. Wenn dein Ziel klar ist, siehst du im täglichen Leben, wie viel Zeit die Menschen verlieren. Wenn man einen Tag von jemandem betrachtet − wie viel Zeit vergeuden Menschen in den sozialen Medien, wie viel Zeit vergeuden sie am Telefon, wie viel Zeit vergeuden sie mit so unbedeutenden Dingen, die keinen Sinn in ihrem Leben haben?

Ein Ziel zu haben, ist sehr wichtig. Ohne ein Ziel ist nichts möglich. Das macht deutlich, was du in deinem Leben ändern musst und was du in deinem Leben loslassen musst, um dieses Ziel zu erreichen. Denn du wirst dieses Ziel nicht erreichen, wenn du bestimmte Dinge nicht loslässt. Doch wenn du bestimmte Dinge loslässt, die nicht mit deinem Ziel zusammenhängen, fällt es dir leichter und leichter, deinen Weg weiterzugehen, andernfalls wird es schwierig. Diese geistige Qual wird dich verrückt machen. Habe ein Ziel! Für einen Devotee müssen die Füße des Herrn dieses Ziel sein. Ganz gleich, was passiert, du musst danach streben, dieses Ziel zu erreichen.

Dies mag wie eine einfache Frage erscheinen, aber was ist Angst wirklich?

Angst ist: Unbekannte Dinge und wenn man beginnt, sich Dinge vorzustellen. Angst hat viele Ebenen. Zum Beispiel fürchtet man etwas, das man nicht kennt. Warum? Weil einem diese Sache fremd ist. Weil etwas nicht bekannt ist, hat man so viele verschiedene Vorstellungen darüber, und natürlich entsteht Angst. Angst ist ein Zustand, den man hat, weil etwas unbekannt ist, weil es etwas gibt, von dem man nichts weiß.

So etwas sieht man selbst bei den Religionen. Wenn du über deinen spirituellen Weg sprichst, fällt es „der Religion“ sehr oft schwer, diesen zu akzeptieren, weil sie nichts davon weiß. Man wird dich kritisieren, man wird dir viele Dinge sagen, man wird dir sagen, dass du vom Teufel stammst und so weiter − nur weil diese Menschen unwissend sind! Sie haben sich in ihrem Leben nie die Zeit genommen, andere Philosophien zu studieren. Sie haben sich nur auf eine Sache konzentriert, und das ist es. Sie kennen nichts anderes. Und aufgrund dieser Unwissenheit in ihrem Inneren haben sie große Angst; sie werden sogar für ihre Ideen kämpfen.

Aber was glaubt ihr, warum kämpfen die Menschen für ihre Ideen? Es liegt an diesem Mangel an Vertrauen in das höchste göttliche Wesen. Sie sagen: „Ja, wir glauben an Gott“, aber dennoch, wenn dieser Glaube herausgefordert wird, warum sieht man diese Menschen dann kämpfen? Das geschieht immer, wenn man mit Menschen spricht, die nicht dieselbe Meinung haben. Sie stimmen nicht mit deiner Philosophie überein, sie wollen nichts davon hören, sie wollen, dass du sie anhörst, aber sie wollen dich nicht hören. Also werden sie für ihren Glauben kämpfen − aus Angst, weil sie nicht wirklich volles Vertrauen in ihre Religion oder ihren Glauben haben.

Also hat Angst viele Aspekte des Unbekannten. Wenn man etwas nicht weiß und in diesem Zustand der Unwissenheit verharrt, wird man sich natürlich vor allem Angst haben. Man wird sich vor dem fürchten, was als Nächstes kommt, man wird befürchten: „Wenn ich nicht das erreiche, was man mich in diesem Leben gelehrt hat, komme ich in die Hölle“, oder: „Wenn ich das tue, komme ich in die Hölle“. Dadurch tauchen viele Dinge im Inneren auf. Angst ist also dieser Faktor des Unbekannten.

In der Religion und in vielen anderen Bereichen werden die Menschen heutzutage sehr oft durch Angst beherrscht. Wenn du zum Beispiel weißt, dass etwas einfach ist, was passiert dann? Glaubst du, dass du davor Angst haben wirst? Nein, du wirst keine Angst davor haben. Aber wenn jemand durch das, was du siehst, deine optischen Sinne und das, was du hörst, Angst in dich einfließen lassen kann, was passiert dann? Du gerätst in Panik. Durch diese Angst können dich andere kontrollieren. Sie wollen nicht, dass du frei bist. Wenn du frei bist, bist du eine Herausforderung für sie. Ein freier Mensch ist eine Herausforderung für die Gesellschaft. Denn ein freier Mensch funktioniert auf einer anderen Ebene. Kann das jeder verstehen? Nein, es ist eine Herausforderung für sie.

Weil es eine Herausforderung ist, wirst du zu einem Hindernis für diejenigen, die dich kontrollieren wollen. Das sieht man auch in den sozialen Medien, man sieht es überall: Wie möchten die Leute euch gerne sehen? Ängstlich! Sie wollen Angst in euch wecken. Sie wollen, dass diese Qualität der Angst in euch sehr stark wird, damit sie euch beherrschen können. Doch die Spiritualität sagt euch, nein, ihr sollt euch vor nichts fürchten, ihr sollt frei sein, ihr sollt nicht diese Vorstellung haben, dass ihr etwas nicht erreichen könnt. Ihr könnt es! Wie ich vorhin sagte, wenn euer Ziel klar ist, bewegt euch auf dieses Ziel zu, seid furchtlos.

Ihr habt sicher Löwen gesehen. Wenn ein Löwe seine Beute beobachtet, schaut er nicht nach links und rechts. Der Löwe bewegt sich sehr langsam auf seine Beute zu. Stellt euch vor, der Löwe hätte Angst. Stellt euch vor, der Löwe steht da, alle vier Beine zittern und er weiß nicht, was er tun soll; denkt ihr, ihr könnt diesen Löwen den König des Dschungels nennen? Nein, man kann diesen Löwen nicht einmal einen Löwen nennen. Man würde den Löwen einfach eine Miezekatze nennen. Selbst eine Katze hat keine Angst, wenn sie von ganz oben auf den Boden springt. Aber mit diesem Vertrauen, mit dieser Zuversicht, dass sie auf ihren vier Beinen landen wird, steht diese Katze fest da. Stellt euch vor, diese Katze würde springen und vor Angst zu Boden fallen. Das wird nie passieren. Meistens ist es Angst, die Menschen tötet.

Es gibt diese schöne Geschichte. Es war einmal ein Heiliger auf einer Pilgerfahrt, der unterwegs dem Tod begegnete und ihn fragte: „Tod, wohin gehst du?“

Der Tod sagte: „Oh, ich gehe zu dieser Pilgerstätte“.

Und der Heilige fragte ihn: „Wie viele Menschen wirst du heute mitnehmen?“

Er sagte: „Oh, ich werde nur 200 Menschen mitnehmen. Das ist vorgesehen.“

Auf dem Rückweg begegnete der Heilige dem Tod erneut und sagte: „Nun, du hast mir gesagt, dass du nur 200 Menschen mitnehmen würdest, aber mehr als 2000 Menschen sind gestorben“.

Der Tod sagte: „Ja, ich bin dorthin gegangen, um nur 200 Menschen zu holen, aber aus Angst…“ (weil es eine Seuche gab oder was auch immer) „…aus Angst starben 2000 Menschen“.

Für die meisten Dinge im Leben gilt: Wenn man die Angst transzendiert, wird man furchtlos, man kommt im Leben voran, und nichts kann einen aufhalten. Wie ich vorhin schon sagte, wenn dein Ziel klar ist, kann dich nichts aufhalten, ob auf deinem spirituellen Weg oder in deinem weltlichen Leben, es spielt keine Rolle, welchen Weg du einschlägst. Aber wenn du Angst entwickelst, wirst du immer aufgehalten werden, denn es ist nicht so, dass ein anderer dich aufhält, du selbst bist es, der diese Bremse in deinem Leben verursacht. Und das lässt dich nicht voranschreiten.

Du hast uns gesagt, dass wir uns selbst lieben müssen, bevor wir andere lieben können. Aber Du hast uns auch aufgefordert, selbstlos zu handeln. Kannst Du uns bitte helfen, zu verstehen, wie wir Selbstliebe und Selbstlosigkeit entwickeln können, ohne dass das gegensätzlich ist?

Wie entwickelt man Selbstliebe und Selbstlosigkeit? Eigentlich sind Selbstlosigkeit und Selbstliebe ein und dasselbe. Denn sobald man diese Liebe für sich selbst verwirklicht, ist man automatisch imstande, alles zu lieben, und man ist imstande, jeden zu lieben. Weil ihr diese Liebe in euch noch nicht erkannt habt, wird es schwierig.

Gestern habe ich über die Liebe selbst gesprochen, die Geschichte von Mirabai zum Beispiel. Wir alle fühlen uns zu dieser Liebe hingezogen. Es ist aufgrund dieser Liebe, dass wir bestimmte Dinge tun. Wir tun etwas um der Liebe willen. Wenn du etwas nicht liebst, oder wenn dir etwas nicht gefällt und wenn du jemanden nicht liebst − würdest du da wirklich weitermachen? Nein, das wirst du nicht! Aber weil du diese Liebe in dir trägst, wirst du imstande sein, diese Liebe in einem anderen Menschen zu erkennen. Siehst du, Liebe ist dir nicht fremd. Sie ist etwas, das in dir ist. Wenn sie sich manifestiert, wenn sie an die Oberfläche kommt, wird sie deine Wirklichkeit. Und wenn diese Liebe deine Wirklichkeit wird, wenn du sie wahrnimmst, beginnt sie durch dich zu strahlen. Glaube also nicht, dass die Liebe nicht da ist, aber es geht darum, wie sehr man sich auf sie konzentriert, wie sehr man sich wünscht, dass sie durch einen hindurchscheint.

Lord Krishna sprach in der Bhagavad Gita, Kapitel 10, Vers 11: „Aus Mitgefühl verweile ich in ihren Herzen“. Das ist so schön!

„Aus Mitgefühl verweile ich in ihren Herzen, strahle das Licht der Erkenntnis aus und beseitige die Unwissenheit, die aus der Dunkelheit geboren wird.“ Wenn wir das betrachten – das ist so schön, wenn der Herr selbst sagt: „Aus Mitgefühl verweile ich in ihren Herzen.“

Es ist nicht so, dass Bhagavan nicht im Herzen gegenwärtig wäre. Er ist immer gegenwärtig. Aber wenn man nicht zuerst das wahre Wissen über das Selbst hat, das wahre Wissen über Ihn, ist man in einem Zustand der Unwissenheit. Im Zustand der Unwissenheit nimmt man diese Liebe nicht wahr. Wenn man diese Liebe nicht wahrnimmt, wird man automatisch egoistisch, man möchte alles für sich behalten, man will nicht teilen. Man befindet sich in einem Zustand der Dunkelheit. Deshalb wird Unwissenheit als Dunkelheit bezeichnet. Wenn man in diesem Zustand der Dunkelheit verweilt, nimmt man dann das Licht wahr? Nein, man kann das Licht nicht wahrnehmen. Erst wenn man im Zustand des Lichts verweilt, wenn man das wahre Wissen in sich hat, dann beginnt das, was in einem selbst ist, zu leuchten. Wenn man in der Dunkelheit ist, dann ist besonders das Ego groß. Es ist mit so vielen Schichten bedeckt, dass das, was im eigenen Inneren ist, nicht leuchten kann, sich nicht zeigen kann, sein Licht nicht ausstrahlen kann.

Was du in deinem Inneren hast… wie Krishna sagte: Er ist es, der allen Dingen innewohnt. Aber um Ihn zu sehen, um Ihn, der dem Selbst innewohnt, wahrzunehmen, musst du dich über diese Unwissenheit erheben. Wenn du diese Unwissenheit weiterhin in dir trägst, wird es sehr schwierig. Wenn du durch das Licht der Erkenntnis diese Unwissenheit entfernst, beginnt der Herr durch dich zu leuchten. Dein Selbst beginnt zu leuchten, das, was in dir ist. Vorher, wenn du dich im Zustand der Unwissenheit befindest, sind dein Verstand, dein Intellekt, deine Sinne durch diese Eigenschaft – eben diese Unwissenheit – gebunden. Wenn du in diesem Zustand der Unwissenheit verharrst, kannst du natürlich nicht selbstlos sein, das geht nicht! Dann bist du vollkommen selbstsüchtig.

Aber wenn das gereinigt wird, wenn das transformiert wird, wenn man sich dem Göttlichen nähert, dann ist es magisch. Plötzlich fängst du an zu leuchten, du beginnst, ein anderes Licht auszustrahlen, und dein Leben verändert sich. Es ist nicht so, dass dieses Licht nicht da war, wie ich schon sagte. Es ist wie die Sonne, die tagsüber draußen scheint. Doch da ist ein dicker Vorhang, der das bedeckt. Man kann nicht sagen, dass die Sonne nicht scheint. Trotz dieser tiefen Unwissenheit, die als Vorhang dargestellt wird, scheint die Sonne immer. Der Herr verweilt in allen Dingen, aber das ist aufgrund von Unwissenheit verdeckt. Wenn jemand von seinem Ego, seinem Stolz und all seinen negativen Eigenschaften „bedeckt“ ist, kann „die Sonne“ dann scheinen? Sie wird nicht scheinen. Aber wenn man den Vorhang wegzieht, dann sieht man das Sonnenlicht. Denn die Sonne scheint immer! Wenn all diese Unwissenheit, wenn all diese Dunkelheit in Form von Unwissenheit beseitigt ist, wenn du dich schulst und auf dein Ziel zubewegst, dann beginnst du zu strahlen. Das Selbst beginnt zu strahlen.

Warum beginnt es zu strahlen? Aufgrund der Gnade des Herrn! Wie Er sagte: „Aus Barmherzigkeit bin ich ihr Bewohner. Aus Barmherzigkeit verweile ich in ihrem Herzen.“ Aus Barmherzigkeit beginnt automatisch der göttliche Aspekt in dir zu leuchten, wenn du in den Zustand kommst, in dem du dieses Wissen hast und die Fähigkeit besitzt, damit umzugehen. Er fängt an, durch deinen Geist zu scheinen, Er fängt an, durch deinen Intellekt zu scheinen, Er fängt an, durch deine Sinne zu scheinen. All diese beginnen, einen anderen Aspekt in sich aufzuweisen, und zwar durch die Transformation vom begrenzten Selbst in das göttliche Selbst. Sogar der Geist wird göttlich, der Intellekt wird göttlich, und die Sinne werden göttlich. Alles, was du tust, wird göttlich, und das beginnt zu reflektieren. Der Aspekt des Selbst, der in dir steckt, tief in deinem Inneren, fängt an, durch dich zu scheinen. Automatisch wird alles, was du tust, selbstlos. Du bleibst nicht im gleichen Zustand des Egoismus, denn wenn du erkennst, wer du bist, verweilst du in einem Zustand des Bewusstseins, und du beginnst, das Licht des Herrn selbst auszustrahlen. Durch die Gnade, die Er in deinem Inneren erweckt, beginnst du, dieses Licht zu reflektieren.

Noch einmal – Gnade hängt nicht von dir ab, denn du bist durch deine spirituellen Übungen, durch deine Bemühungen, auf ein bestimmtes Niveau gekommen. Im Yoga nennt man das savikalpa, savikalpa samadhi. Wenn du durch deine Anstrengung auf eine bestimmte Stufe gekommen bist, hast du dich geschliffen, aber es gibt immer noch einen kleinen Teil, der nicht in deinen Händen liegt, um nirvikalpa zu erreichen. Siehe, dieser kleine Teil – das ist die Gnade von Sriman Narayana. Und diesen entfernt Er, allein durch Seine Gnade. Deshalb ist Bemühung wichtig, aber es ist auch wichtig, sich ganz auf die Erlangung der Gnade von Sriman Narayana zu verlassen.

Ich möchte meine Kinder als Devotees erziehen, und dazu brauche ich Deinen Rat. Wenn ich zu viel Druck auf sie ausübe, fangen sie an, das abzulehnen. Ich sehe auch, wie die Schulen und die Gesellschaft die Kinder von spirituellen Werten und Gott abbringen. Welchen praktischen Rat kannst Du uns geben?

Als Eltern müsst ihr in erster Linie ein Vorbild, ein Beispiel, für eure Kinder sein. Sie sind Kinder, und natürlich lernen sie, wenn sie in die äußere Welt gehen. Sie haben andere Ansichten von der Welt als die, die ihr ihnen als Erstes beibringt. Aber ihr müsst ihnen die richtigen Werte vermitteln. Zugleich darf man sie aber auch nicht zu Außenseitern machen, denn sie müssen beide Welten kennen, sonst ist es für sie befremdlich. Ihr wisst, wie die Außenwelt ist, und deshalb seid ihr auf euren spirituellen Weg gekommen. Ihr seht den Unterschied zwischen den beiden Welten, also könnt ihr die richtige Entscheidung treffen. Also ist das, was ihr als Eltern eure Kinder lehrt, sehr wichtig.

Kinder lernen durch das, was sie sehen − es geht nicht so sehr darum, was man ihnen sagt. Man muss verstehen, dass das Kind auf dieser Kindebene keine Worte versteht. Natürlich kann man etwas sagen, man kann etwas erklären, man kann sie lehren, aber so sehr man sie auch durch Worte belehrt, es verschwindet nach einiger Zeit. Aber das, was Kinder beobachten − indem sie es sehen, bleibt es bei ihnen hängen. Sie lernen also durch das, was sie sehen, was sie hören, wie ihr interagiert und nicht dadurch, dass man ihnen etwas sagt. Wenn jemand raucht, sieht das Kind das automatisch. Wenn du dann sagst: „Man sollte nicht rauchen“ haben die Kinder im Kopf: „Aber du rauchst doch, warum sollte ich es nicht tun?“ Beginnt also, eure Kinder in das, was ihr tut, einzubeziehen, und sagt nicht: „Wenn sie erwachsen sind, können sie selbst entscheiden“.

Sehr oft habe ich von Devotees gehört: „Nein, ich kann meine Kinder nicht lehren, weil ich Angst davor habe, was die Leute sagen werden“, all das. Wenn ihr selbst ihnen Angst zeigt, wenn ihr selbst zeigt, dass ihr eurem Weg nicht vertraut, was bringt ihr ihnen dann bei? Was erwartet ihr, dass sie von euch lernen? Wenn ihr wirklich wollt, dass eure Kinder anders sind, dass sie sich wirklich transformieren, und wenn ihr sie wirklich in der richtigen Weise lehren wollt, dann fangt damit an, eure Kinder in das einzubeziehen, was ihr tut − auch spirituell. Das ist sehr oft der Fall, wenn ihr euer japa macht. Wenn sie kein japa machen wollen, zwingt sie nicht dazu, sondern sagt einfach: „Wenn ihr wollt, könnt ihr diese mala nehmen, die ist für euch, ihr könnt damit spielen.“ Wenn sie damit spielen und sehen, was ihr tut, wird sie das interessieren. Denn für sie ist es wie ein Spiel, und so werden sie anfangen.

Natürlich kommt die Zeit, in der sie anfangen werden, in die Außenwelt zu gehen, in die äußere Welt zu schauen, aber die Samen, die ihr in sie hineingepflanzt habt, werden eines Tages keimen. Diese Samen werden eines Tages wachsen und Früchte tragen. Vielleicht nicht jetzt, nicht wenn ihr es erwartet, aber es wird in ihrem Leben geschehen. Sie werden zu dieser Erkenntnis kommen: „Oh, Mama und Papa haben uns etwas Tiefgehendes gezeigt“, und sie werden darüber nachdenken, wenn sie es brauchen. Dann werden sie ihren Weg finden, sie werden ihren Zugang finden.

Bezieht eure Kinder in das ein, was ihr spirituell tut, wie z.B. Singen und Chanten, und wenn ihr versucht, es ihnen zu erklären, erzählt ihnen die Geschichten von Krishna, erzählt ihnen die Geschichten von Rama, erzählt ihnen die Geschichten der Heiligen, und erzählt sie so, dass sie sie verstehen können. Denn die meiste Zeit verstehen sie nicht wirklich, was ihr sagt. Aber wenn ihr eine Sprache gebraucht, die sie verstehen, dann wird es für sie einen Sinn ergeben. Und dadurch werden sie wachsen, und sie werden sich an dem erfreuen, was ihr ihnen gebt. Ansonsten wird es langweilig.

Denn das, was für euch wunderbar ist, nun ja, ihr seht es auf eine andere Weise, eure Denkweise selbst ist anders, aber für die Kinder ist es langweilig. Wenn ich euch sagen würde, ihr sollt mit den Spielsachen der Kinder spielen, wie wäre das für euch? Es wäre langweilig. Ihr wisst, Kinder nehmen etwas und schlagen auf etwas anderes und machen so Lärm. Für euch macht das keinen Sinn, aber für das Kind macht es Sinn, weil es eine gewisse Wirkung auf das Kind hat, wie es Dinge sieht und hört.

Auf diese Weise könnt ihr also eure Kinder in euren spirituellen Weg einbinden und sie auf eine Weise einbeziehen, dass sie auch daran teilhaben möchten. Denn wenn ihr sie dazu zwingt, werden sie hinterher natürlich sagen: „Oh, Mama und Papa haben uns immer dazu gezwungen“, und dann werden sie davonlaufen. Aber wenn ihr sie in das einbezieht, was ihr gerade tut − ihr schlagt sie nicht, ihr schreit sie nicht an, oder was auch immer, um etwas zu tun – ihr lasst sie einfach in eurer Gesellschaft sein, ihr lasst sie in dieser Schwingung sein, dann verändert das automatisch etwas in ihrem Inneren.

Jai Gurudev!

Hier findest du das Video vom Satsang 👇

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