Unmittelbar vor dem Darshan in Lanzarote sprach Paramahamsa Vishwananda über die Bedeutung von ‚Radhe Shyam‘.

Er sagte, ‚Radhe Shyam‘ ist die Einladung an unser wahres Selbst, zu erwachen. Aber gerade das fällt uns nicht leicht, betonte Guruji. Wir wollen nicht wir selbst sein und finden es schwer uns zu akzeptieren, wie wir sind. Wir beschäftigen uns vielmehr damit, was andere über uns denken, obwohl das deren Angelegenheit ist und nicht unsere. Dadurch, dass wir es zu unserem Thema machen, werden wir zu Sklaven der Gesellschaft und schauen ständig danach, was die Gesellschaft von uns will. Wir haben Angst, beurteilt zu werden, haben Angst, wie unsere Nachbarn und Freunde uns sehen. Aber es sind nicht die anderen, die über uns urteilen, sondern wir selbst, indem wir uns andauernd sorgen, was sie über uns denken könnten. Auf diese Weise bleibt uns keine Möglichkeit, die zu sein, die wir wirklich sind.

Paramahamsa Vishwanada fordert uns auf: „Du musst sein, wer du bist, JETZT!“

Guruji sagte, wenn wir ‚Radhe Shyam‘ singen, gibt es etwas ganz tief in uns, was wir nicht kennen, nie gesehen haben, aber von dem wir dennoch wissen, dass es da ist. Es ist etwas Großartiges in uns, das sich nach etwas ebenfalls Großartigem sehnt. Dieses begrenzte Selbst, das wir zu sein glauben, ist das Selbst, das andere uns übergestülpt haben, Schicht für Schicht, Lage für Lage, so dass wir unsere wahre Natur vergessen haben. Wenn das Leben dann versucht, uns an unsere wahre Natur zu erinnern, fragen wir uns, wieso wir so viele Probleme haben, warum das Leben uns so beutelt. Eigentlich modelliert das Leben uns nur, um uns zu unserem tieferen Sein zurückzuführen. Dies allerdings wollen wir nicht anschauen, sondern beschäftigen uns lieber mit der begrenzten Vorstellung, die wir über uns selbst haben. Und so befinden wir uns im Kampf. Unser natürlicher Zustand ist der Zustand der Liebe. So wie Gott Liebe ist, sind wir die Reflektion dieser Liebe in uns. Wenn wir aber dagegen anlaufen, wird es schwierig. Deswegen fordert uns Guruji erneut auf, ehrlich zu uns selbst zu sein. „Es spielt keine Rolle, in welcher Situation ihr euch befindet. Ihr werdet sehen, in dem Moment, in dem ihr die Situation akzeptiert, wird alles perfekt.“

Guruji erzählte im Anschluss die Geschichte über den schönen Keramiktopf.

Ein Ehepaar ging in ein Keramikkunstgeschäft. Sie sahen einen schönen bemalten Topf, nahmen ihn in die Hand und betrachteten ihn. Die Frau sagte zu ihrem Ehemann: Schau wie schön dieses Kunstwerk ist. Der Topf erwiderte, dass er nur schön ist dank des Segens seines Töpfers. Nur aufgrund seines Vertrauens in ihn ist er so geworden, da der Töpfer etwas Schönes in ihm gesehen hat. Dann erzählte der Topf seine Geschichte. Er war ein ganz gewöhnliches Stück Ton, gewöhnlicher Dreck sozusagen, der sich am Flussufer befand, bis eines Tages der Töpfer ihn von dort mit nach Hause genommen hat. Zuhause angekommen hat er ihn als erstes geklopft und geschlagen. Es war für den Topf eine schmerzvolle Erfahrung. Danach wurde er auf eine Scheibe gestellt und herumgedreht. Dem Ton wurde schwindlig, aber der Töpfer schaute ihn immer wieder an, berührte ihn und kümmerte sich um ihn, so dass er sich nicht alleine fühlte. Als er fertig war, stellte ihn sein Meister ins Regal zum Trocknen. In der Hoffnung, fertig zu sein, musste der Ton feststellen, dass er nach der Trocknung ins Feuer gesteckt wurde. Das war für ihn extrem heiß, er schrie, aber keiner hörte ihn. Dennoch genoss er die Blicke des Töpfers, der immer wieder nach ihm schaute, und der Topf fühlte sich zunehmend komfortabler. Aus dem Ofen geholt, wurde der Topf erneut ins Regal gestellt. Und auch dieses Mal musste er feststellen – die Arbeit an ihm ging weiter. Er wurde mit sehr starken Farben bemalt und abermals ins Feuer gebracht. Als er endlich wieder aus der Hitze herausgenommen wurde, hat der Topf das glückliche und zufriedene Gesicht seines Töpfers gesehen. Da er selbst etwas irritiert war, reichte ihm sein Meister einen Spiegel. Der Topf sah hinein und konnte selbst nicht glauben, wie schön er war.

Eigentlich ist diese Geschichte die Geschichte eines jeden von uns, sagte Guruji. Wir können das Leben oft nicht annehmen und kämpfen gegen es an. Wir versuchen stets, Seitenwege zu wählen, anstatt zu akzeptieren was ist und direkt durch das Leben zu gehen und voranzukommen. Guruji betonte, dass die Natur nur das bringt, was uns stärker macht. In dem Moment, in dem wir lernen, dies zu akzeptieren, werden wir automatisch stärker werden und glücklicher. Radhe Shyam wird uns unserem wahren Aspekt im Inneren näherbringen. Der Meister sieht tief in uns etwas, was wir selbst nicht sehen können. Wenn der Meister, wenn die Natur versucht, etwas aus unserem tiefsten Inneren herauszubringen, müssen wir es lediglich zulassen und lernen zu akzeptieren.

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