17. April 2020

LIVE FRAGEN & ANTWORTEN AUS DEUTSCHLAND
SHREE PEETHA NILAYA ASHRAM

Dieser satsang von Paramahamsa Vishwananda beantwortet Fragen über Devotees und Aktivismus, was Glückseligkeit ist, wie wir es vermeiden können, Gott selbstsüchtig zu lieben und den Umgang mit Emotionen beim Tod von Nahestehenden.

 

Jai Gurudev allerseits und nochmal willkommen!

Heute habe ich über eine Nachricht nachgedacht, die ich am Morgen erhalten habe. Jemand teilte mit, dass nicht jeder diesen Lockdown wirklich zu schätzen wisse, und natürlich ist das wahr. Abgeschottet zu sein und die ganze Zeit mit den gleichen Menschen zusammen zu sein, kann natürlich sehr beängstigend sein und auch eine schwere Last für jemanden darstellen. Diese Person sagte, dass es in Verbindung mit diesem Lockdown auch eine Menge geschlechtsspezifischer Gewalt gegeben hat, z.B. in der Familie, mit dem Ehemann, der Ehefrau. Viele wissen die Zeit, in der sie zusammen sind, nicht zu schätzen, sondern sie streiten. Das ist wahr. Es ist traurig zu sehen, dass die Menschen nicht erkennen, wie wichtig es ist, die Zeit wirklich zu schätzen, also zuerst mit sich selbst „zusammen zu sein“, aber auch unter Menschen zu sein, die einem nahe stehen. Wie ich gestern schon sagte, freuen sich die Menschen darauf, dass der Lockdown beendet wird, damit sie wieder zu ihrem kleinen Selbst, ihrer alltäglichen Realität, zurückkehren und wieder alles tun können.

Dann frage ich mich selbst: „Was haben die Menschen gelernt?“ Seht ihr? Was lernt ihr dadurch? Natürlich ist es schwierig, immer die gleichen Leute um sich zu haben, und manchmal kann man verrückt werden. Aber gleichzeitig könnt ihr auch die Menschen, die bei euch sind, einfach schätzen, eine andere Sichtweise auf sie entwickeln und erkennen, wie viel sie für euch getan haben oder auch, was ihr für sie tut.

Man sieht in dieser Zeit so viele Menschen, die anderen Menschen helfen, aber etwas, was mich wirklich traurig macht, ist, dass es auch einige Leute gibt, die davon profitieren, um Spenden und Geld − vor allem von Devotees − zu erbitten. So etwas kam mir heute zu Ohren. Jemand in Vrindavan benutzt mein Bild. Weil einige Menschen kommen, wird ein Foto hingestellt und damit vermittelt: „Schaut, wir sind sehr gute Freunde von Swamiji“. Dann bitten sie um Geld. Das Lustige daran ist, dass das Video eines anderen Devotees verwendet wird, der den Menschen wirklich hilft, indem er umhergeht und den sadhus und den armen Menschen Essen gibt. Und diese Person hat auf ihrer Website erklärt, dass man spenden kann, wenn man möchte. Aber ich möchte die Devotees daran erinnern, wenn sie spenden wollen, sollten die Spenden direkt an Bhakti Bharat [in Indien] oder Bhakti Marga hier in Springen gegeben werden. Ihr solltet einfach angeben, für welchen Zweck es ist, und dann wird es für diesen Zweck verwendet.

Es haben auch Leute geschrieben und gefragt, ob sie für diese Zeit etwas beitragen können, weil es keine Spenden oder dergleichen gibt. Wenn ihr also spenden wollt, könnt ihr direkt an Bhakti Marga spenden. Ihr braucht nicht an andere Leute zu spenden. Bitte seid vorsichtig und seid euch dessen bewusst.

Als wir in Indien waren, hat Tim eine E-Mail bekommen, die besagte, dass es staatliche Hilfe gibt und man dafür spenden könne. Ich weiß nicht, wie diese Leute die E-Mail-Adresse bekommen haben. Also kam Tim zu mir und fragte mich: „Die Regierung bittet um Hilfe“, und ich sagte: „Das ist ein Betrug. Du solltest dich davor in Acht nehmen“. Vor einer Woche erschien dann ein Artikel in der indischen Zeitung, dass den Menschen durch diesen Betrug sehr viel Geld abgenommen wurde. Es waren zwei Männer, die die Menschen im Namen der Regierung um Geld gebeten haben. Ihr solltet also vorsichtig sein, wenn Leute um Geld bitten. Manche Leute werden sogar sagen: „Oh, Swamiji hilft uns. Wir müssen der Welt helfen, wir müssen so viele Dinge tun. Bitte gebt uns Geld, unterstützt uns.“ Ihr solltet vorsichtig sein.

Seht, wenn Gott eure Hände und Füße entsprechend ausgestattet hat und ihr arbeiten könnt, dann arbeitet ihr auch, und jeder arbeitet und tut sein Bestes. Also lasst euch nicht von den schönen Worten der Menschen täuschen, die euch in meinem Namen und auch in dem von Bhakti Marga um etwas bitten.

Geliebter Guruji, derzeit gibt es in unseren sanghas viele Diskussionen darüber, ob sich ein Devotee in politische Fragen oder Aktivismus im Allgemeinen einmischen sollte oder nicht. Wie ist Deine Anweisung?

Normalerweise versuche ich − für mich persönlich −, mich von politischen Dingen fernzuhalten, wisst ihr? Was auch immer mit Politik zu tun hat, ich halte mich davon fern, denn in meinem Leben habe ich viele Politiker getroffen, und ich sage euch ganz offen, sie sind alle gleich. Es gibt keine guten Politiker, es gibt keine schlechten Politiker, sie sind einfach nur Politiker. Also, persönlich habe ich kein Interesse. Ich spreche jetzt für mich, ich spreche nicht für euch.

Vielleicht hast du ein großes Interesse an Politik, dann ist das deine Sache. Natürlich magst du verschiedene Interessensbereiche haben, aber etwas frage ich mich selber: „Wenn du dich für Politik interessierst, was kannst du verändern?“ Als normaler Mensch kannst du nicht wirklich etwas tun. Würdest du hingehen und deine Stimme erheben? Glaubst du, dass sich wirklich irgendjemand für dich interessiert? Niemand beachtet dich, niemand kümmert sich um deine Stimme. Es ist wie bei einem Hund, der bellt. Du kannst so viel „bellen“, wie du willst, aber es wird dasselbe sein. Gerade in der heutigen Zeit sieht man alle möglichen Meinungen von vielen verschiedenen Menschen. Aber deine Meinung ist deine eigene, sie ist für dich. Du kannst deine Meinung äußern, du kannst deine Stimme erheben, aber hast du die Macht, wirklich etwas zu verändern? Ich denke, du kannst über Politik reden, wenn es ein Thema ist, das dir gefällt, aber es ändert nichts am System. Warum damit deine Zeit verschwenden? Setze deine Zeit dafür ein, etwas zu tun, das Veränderungen bewirkt. Weißt du, jeder Politiker, einfach jeder, kommt auf diese Welt, um etwas Gutes zu tun, verstehst du? Hitler hat etwas Großartiges begonnen, er wollte etwas Außergewöhnliches. Aber seht, was daraus geworden ist.

Wisst ihr, wenn man mit etwas beginnt, hat man tolle Ideen. Ich habe mit vielen Politikern gesprochen, die gesagt haben: „Als ich meine politische Karriere begann, wollte ich die Welt verändern, ich wollte etwas bewirken. Das war der Grund dafür.“ Aber mit der Zeit wird jeder korrumpiert, der Verstand wird durch gewisse Umstände korrupt.

Wenn man sich also für so etwas engagiert, besonders in einer sangha… wisst ihr, in einer sangha sollte man über spirituelle Themen sprechen, über euer spirituelles Wachstum, nicht über Politik. Es ist gut, Politik zu verstehen. Es ist gut, darüber Bescheid zu wissen, aber ihr könnt nichts verändern. Zuerst müsst ihr euch selbst überprüfen und betrachten. Verändert zuerst euch selbst, dann könnt ihr euch für etwas engagieren.

Ihr habt großartige Ideen. Ich verstehe, warum man in der sangha anfängt, über Politik zu reden, aber wohin führt das? Es bleibt nur dort, das ist alles. Dann stirbt es, also ändert sich nichts. Anstatt also eure Zeit zu verschwenden, macht etwas Konkretes mit eurem Leben. Das ist besser.

Ist es möglich, Glückseligkeit oder Prema so zu beschreiben, dass wir es verstehen können?

Sehr oft verstehen die Menschen nicht, was Liebe ist, sie haben viele Vorstellungen davon, was Liebe ist. Um also etwas zu beschreiben, was unbeschreiblich ist, verwenden wir das Wort „Glückseligkeit“, und wir verwenden das Wort „Seligkeit“, weil es ein Zustand ist, in dem sich alles andere auflöst. Deshalb verwenden wir nur diese Worte. Aber lasst uns zuerst sehen, was Liebe ist und was ihr unter Liebe versteht.

Was ist Liebe? Das ist eine Frage, die sich Menschen sehr oft stellen. Aus menschlicher Sicht ist Liebe etwas, das einem ein gutes Gefühl gibt. Man liebt etwas, mit dem man sich wohl fühlt. Wenn man sich mit etwas wohl fühlt, dann mag man das bzw. man liebt es. Es ist wie Eiscreme essen: Jemand mag Eiscreme, und solange die Person sie mag, wird sie weiter Eiscreme essen. In dem Moment, in dem die Vorliebe zur Abneigung wird, hört sie damit auf. Wenn das Eis dann zu etwas wird, das einen krank macht, hört man auf. Wisst ihr, einige Menschen trinken gerne jeden Tag Cola, und wenn die Cola anfängt, „sie zu trinken“, dann merken sie: „Ups, ich muss etwas ändern“. Und so ist es, wenn Menschen etwas mögen.

Wenn man etwas mag, erzeugt das den geistigen Zustand, dass man sich wohl fühlt. Und natürlich sagen wir in Bezug auf Menschen nicht „mögen“, sondern „lieben“, bei Dingen sagen wir „mögen“. Wir mögen einige Dinge, die greifbar sind, die materiell sind. Aber bei Gott sagen wir: „Wir lieben“, und selbst bei Menschen sagen wir das. Also können wir bei Gott nur sagen: „Wir lieben Ihn“, denn in der englischen Sprache gibt es nur dieses Wort „Liebe“, es gibt’s nichts weiter, aber es gibt viele Aspekte von „Liebe“.

In Hindi haben wir die Worte pyar und Prema, so wie du es in deiner Frage selbst gesagt hast. Pyar bedeutet Liebe, die durch etwas gebunden ist. Sagen wir, eine Liebe, die du verstehst, eine Liebe, die gebunden ist durch: „Dabei fühle ich mich gut, denn das gehört zu mir“. Ein Ehemann liebt seine Frau, weil der Mann denkt: „Das ist meine Frau, sie gehört zu mir, sie ist mein Besitz“. Und umgekehrt liebt die Frau den Mann, weil sie denkt: „Er gehört mir“. Solange das so ist: „Okay, du gehörst mir, ich gehöre zu dir, es gibt diese Annehmlichkeit, die ich bei dir habe“, ist es in Ordnung. Aber in dem Moment, in dem es ein Unbehagen gibt, entstehen alle Probleme. Wo ist die Liebe geblieben? Sie ist verschwunden! Eine Mutter liebt das Kind, denn: „Du bist mein Kind, also gehörst du zu mir“. Aber wenn das Kind heranwächst, gibt es auch die Erwartung: „Du musst so und so sein“. Wenn das Kind das Gegenteil von dem tut, was die Mutter will, glaubt ihr, dass die Liebe dann immer noch genauso intensiv ist? Nein, sie hat sich verändert, da es eine Erwartung gibt. Also, bei den Dingen, die wir um uns herum haben, sagen wir: „Wir lieben, wir mögen“, aber das sind greifbare Dinge, die wir festhalten können. Etwas, das greifbar ist, hat ein gewisses Limit. Es ist endlich. Aber wie können wir über das Unendliche sprechen?

Deshalb sprechen wir von Prema. Prema ist der glückselige Zustand, der das Höchste ist, jenseits dessen, woran wir uns festhalten können. Wir können es auch nicht mit unserem Verstand erfassen oder versuchen, etwas zu begreifen, das unbegreiflich ist. Wir können es nicht festhalten, weil Bhagavan nicht etwas ist, das wir greifen und besitzen können. Er ist nichts Materielles. Wenn wir sagen, wir lieben Gott, dann sind wir in diesem glückseligen Zustand, aber dennoch können wir Ihn nicht besitzen. Alles, was wir besitzen können, können wir kontrollieren. Aber für Bhagavan, für den Herrn, gilt das nicht. Wenn wir in diesem glückseligen Zustand sind, sind wir in „Knechtschaft“ − wir lieben Ihn, wir sind in einem glückseligen Zustand, genießen Seine Gegenwart und erfreuen uns an allem, was von Ihm kommt. Und das nimmt niemals ab.

Wisst ihr, wenn man die Liebe von außen betrachtet, kann man mit jemandem sehr glücklich sein. Aber wie lange dauert dieses Glück? Jemand hält zum Beispiel eine schöne Rede. Ihr sagt: „Ich mag diese Rede“, weil ihr mit dieser Rede in Resonanz seid. Aber hält es lange an? Es hält nicht lange an. Es währt nur eine gewisse Zeit. Ich erhalte so viele Nachrichten von Devotees: „Wir lieben Deine Botschaften so sehr.“ Ja, ich freue mich sehr, dass euch die Botschaften gefallen, aber ich werde noch dankbarer und glücklicher sein, wenn ihr sie in die Praxis umsetzt, zumindest nach und nach, und euch selbst transformiert. Das ist der Grund, warum satsang wichtig ist. Es ist nicht damit getan, nur zu sagen, dass es schön ist. Es gibt viele Menschen, die viele schöne Reden halten, sogar schönere Reden als ich. Ich sage einfach das, was aus meinem Mund kommt. Viele Menschen verwenden schöne Worte und sehr poetische Worte. Ich bin nicht sehr poetisch. Ich sage euch einfach nur, was ihr hören müsst, das ist alles. Ob ihr es liebt oder nicht − es ist gut.

In Glückseligkeit zu sein ist ein Zustand, den man nicht mit Worten beschreiben kann. Es ist ein Zustand, in dem man einfach mit allem immer glücklich ist. Soviel kann man darüber sagen. Man bleibt in diesem Zustand, in dem der Geist einen nicht stört, da sich dieser Geist in das Göttliche verwandelt hat. Dieser Geist erfährt die Göttlichkeit in ihrer Fülle, und das nicht nur, wenn man seine sadhana macht, sondern diese gleiche Freude ist in jeder Handlung, die man ausführt.

Wir nehmen die Liebe auf eine Art und Weise wahr, über die wir sehr oft sprechen, aber dennoch ist Prema etwas, was darüber hinausgeht. Es ist wirklich ziemlich schwierig, es mit Worten zu erklären.

Srimati Radharani und die gopis sehnten sich nur nach Krishna. Wie stellen wir sicher, dass unsere Sehnsucht nach guru und Gott nicht in unserem eigenen Egoismus verwurzelt ist und wir keinen Gedanken an uns selbst haben?

Schau, wie oft hast du dich in deiner Frage auf dich selbst konzentriert? Viele Male, weißt du. Wenn wir über das Selbst sprechen … wir haben eine schöne Geschichte von Srimati Radharani und den gopis gehört – aber dies sind verwirklichte Wesen. Ihr spirituelles Niveau ist überragend. Sie konzentrierten sich nicht auf dieses kleine Selbst. Sie fokussierten sich nicht auf dieses pancha-tattva, das aus den fünf Elementen besteht. Sie konzentrierten sich auf ihr Selbst. Sie hatten bereits während ihres Lebens die Begrenzung transzendiert, die sich nur auf den Körper, den Verstand und den Intellekt ausrichtet, was wir sehr oft unser „Selbst“ nennen. Wenn wir uns darauf beziehen, müssen wir uns zunächst dessen bewusst sein, dass die Art, wie sie über sich selbst dachten, nicht auf ihren Körper oder ihren Verstand ausgerichtet war, wisst ihr? Sie waren vollständig in ihrem wahren Selbst, dem atma, zentriert, und sie waren sich vollkommen bewusst, dass sich das atma nur nach etwas sehnen kann, das das Höchste ist, das göttlich ist. Deshalb ist ihre Liebe, ihre Hingabe, völlig anders.

Bhagavan Krishna sagt in der Gita, Kapitel 9, Vers 11: „In eine menschliche Gestalt gekleidet, erkennen Narren Meine Göttlichkeit nicht, wenn Ich hier in diese Welt herabsteige.“ Hier sagt Bhagavan „Narren“, und in Kapitel 7 sagt Er wieder „Narren“. Es ist also ein Schock, wenn Bhagavan sagt: „Menschen, die dumm sind, erkennen nicht, wer Ich bin, der Herr aller Wesen“.

Schauen wir uns also an, wie die gopis und Srimati Radharani Krishna sahen und wahrgenommen haben. Natürlich wussten sie tief in ihrem Inneren, dass Er der höchste Herr ist, aber das kommt von der Ebene des atma. Sie wussten, dass sich dieses allerhöchste Wesen hier manifestiert hat und dass die Sehnsucht, die sie in sich hatten, die Sehnsucht, bei Ihm zu sein, nicht etwas ist, das nur in einem Leben besteht. Zunächst einmal kannten sie, wie ich schon sagte, ihr wahres Selbst. Sie wussten, wer sie sind, sie wussten, dass sie nicht dieser Körper sind, sie wussten, dass sie nicht dieser Geist sind, sondern dass sie diese ewige Seele, das atma, sind. Und sie wussten, dass es innerhalb des atma nur Krishna gibt. Sie hatten diese Klarheit in sich, dass es nur um Krishna geht: „Wem sonst sollte ich hier in dieser Welt gefallen?“ Versteht ihr? „Werde ich dem Stein gefallen? Werde ich den Bäumen gefallen? Werde ich meinem Mann, meiner Frau und meinen Kindern gefallen? Nein, ich muss nur Krishna gefallen.“ Da sie Krishna im Kern ihres Herzens gesehen haben, hatten sie diese Klarheit, dass es niemand anderen mehr gibt, den sie erfreuen möchten. Es gibt nur diese ultimative Realität, diese allerhöchste Wirklichkeit, die in dieser Welt eine Form und einen Aspekt angenommen hat.

In der Brahma Samhita sagt Lord Brahma: „iśvaraḥ paramaḥ kṛṣṇaḥ saccitānanda vigrahaḥ anādir ādir govindaḥ sarva-kāraṇa-kāraṇam“, was bedeutet, dass der höchste Herr selbst hier ist. Er hat hier in dieser Wirklichkeit Geburt angenommen. Er hat in dieser Wirklichkeit durch Seine Macht eine Form angenommen. Er hat in dieser Wirklichkeit Gestalt angenommen. Er ist allwissend, Er ist ewig, Er ist glückselig. Er ist ohne Ende und ohne Anfang. Auf diese Weise betete Brahmaji zum Herrn, dass Er das einzige Ziel für alle ist.

Für Radharani und für die gopis war es also überdeutlich, dass Er der höchste Herr ist und dass es niemanden außer Ihm gibt, denn sie erkannten diesen höchsten Herrn in sich selbst und sahen keinen Unterschied. Mir wurde ein Vortrag von jemandem zugeschickt, in dem beschrieben wird, wie Krishna Vrindavan verließ und dass Er nicht zurückkehrte.

Angeblich traf Radha Krishna im Himmel und fragte Ihn: „Wo warst Du? Du bist Dwarkadish, wo warst Du die ganze Zeit?“ Seht ihr, Radha nannte Krishna früher „Kanha“ und dort nannte sie Ihn „Dwarkadish“. Dwarkadish bedeutet: Lord von Dwarka. Er sagte: „Warum nennst Du Mich Dwarkadish? Radha, für Dich bin Ich immer noch Dein Kanha.“ Sie sagte: „Nein, nein, nein, nein.“

Seht ihr, „Kanha“ ist der Eine, der sich um die Menschen kümmert, der Eine, der Govardhana hochgehoben und alle beschützt hat. Aber „Dwarkadish“ ist der Eine, der auf dem Schlachtfeld gekämpft hat, der Menschen getötet hat.

„Als König hast Du sogar Deine Armee den Kauravas gegeben. Natürlich, das sind Deine Leute, aber dennoch hast Du sie alle getötet, obwohl Du sie hättest beschützen sollen.“

Und das liegt an Prema selbst.

Radharani sagte zu Krishna: „Als Du in Vrindavan warst, hattest Du das süße Wasser der Yamuna zu trinken, aber als Du nach Dwarka gingst, hattest Du das salzige Wasser. Ersteres brachte Dich dazu, in Vrindavan Deiner Flöte zu vertrauen, aber als Du nach Dwarka gingst, vertrautest Du auf Dein Sudarshana-chakra.“

Das ist wieder in Ermangelung von Prema selbst, also in Abwesenheit von Prema.

Dann fragte Krishna: „Aber hast Du Mich nie vermisst?“ Radha sagte: „Nun, wie kann ich Dich vermissen? Du warst immer bei Mir. Sieh Dich an, als Du Mich gesehen hast, hast Du geweint. Aber wir haben nicht um Dich geweint, weil Du immer vor unseren Augen warst. Wenn wir weinten, hatten wir Angst, dass Du weggespült würdest, also hörten wir auf zu weinen.“

Also, ihr seht, eine große Diskussion. Es ist so schön. Aber ihr versteht, da ist solch ein Grad an Spiritualität, solch ein Verständnis, Bewusstsein oder Bewusstheit! Ihr müsst zuerst wissen, wer ihr seid, das ist die Frage. Denn wenn ihr nicht wisst, wer ihr seid, werdet ihr nicht wissen, wer der höchste Herr ist. Durch eure sadhana, durch eure Meditation, durch euer japa muss dies in euch erwachen, muss sich dieser Geist in einen Geist der völligen Hingabe verwandeln. Gebt euch also zu den Füßen des guru hin, gebt euch eurem Weg hin, gebt euch dem Namen des Herrn hin, ruft nach Ihm. Für die gopis und Srimati Radharani war klar, dass der „Kanha“, der dort war, alles für sie war. Und während des ganzen Lebens haben diese gopis nur über eine einzige höchste Realität meditiert: nur Ihn zu haben, nichts anderes. Sie sind die großen yogis, die Krishna überall wahrnehmen. Wenn das in euch erwacht, verschwindet diese dualistische Welt. Es gibt nur eine Wirklichkeit, und das ist Seine Wirklichkeit, diese höchste Realität.

Oft sprichst Du über den Tod als etwas Gutes oder Leichtes, aber ich kann keine Freude empfinden, wenn ich an den Tod eines Familienmitglieds denke, und ich habe viel geweint, als dies geschehen ist. Ist dieses Gefühl so falsch?

Nein, es ist nicht falsch. Schau, wenn ich über den Tod spreche, wenn jemand stirbt, ist es nicht so, dass ich darüber nicht traurig wäre. Weißt du, man war mit diesem Menschen zusammen, dieser Mensch hat einem sehr viel bedeutet, und natürlich fühlt man eine gewisse Traurigkeit. Schau, Nadège, die mir sehr nahe stand, ist gestorben, und es ist nicht so, dass ich nicht geweint hätte. Ich habe geweint. Sonst wäre ich eine herzlose Person. Aber es ist bedeutsam, wie du es betrachtest, wie du es sieht. Es bedeutet nicht, dass du nicht weinen kannst.

Als Haridas Thakur starb, nahm Chaitanya Mahaprabhu Haridas Körper und tanzte weinend umher. Das war nicht, weil er nicht vollständig verwirklicht gewesen wäre, er war voll verwirklicht! Aber seht, es gibt eine gewisse Dankbarkeit gegenüber dieser Person, denn diese Seele ist gekommen, um einen bestimmten Zweck in eurem Leben zu erfüllen. Dafür empfindet ihr diese Dankbarkeit. Es geht nicht um die Person. Warum solltet ihr weinen, wenn jemand tot ist? Der Körper ist immer noch da. Die Person, die ihr zu kennen glaubt, ist immer noch da. Kennt ihr wirklich die Essenz dieser Person? Kennt ihr das atma dieser Person? Nein, ihr habt die Person nicht gekannt, denn diese Person hat wahrscheinlich selbst nicht gewusst, wer sie ist. Die Abwesenheit von etwas, das im Inneren ist, das ist es, was euch fehlt! Wenn jemand stirbt, sitzen alle da und weinen. Sie halten den Körper, sie weinen sehr, aber dieser Mensch ist tot. Was vermisst wird, ist das atma. Das atma ist nicht da. Die Essenz, die diesen Körper lebendig gemacht hat, ist nicht da. Es fehlt die Essenz, die dem Verstand, den Augen, der Nase, dem Mund, den Füßen, den Händen Leben gab und Handeln ermöglichte. Das ist es, was ihr vermisst. Ihr vermisst die Person nicht wirklich. Ihr fühlt eine gewisse Traurigkeit, wenn jemand gegangen ist, der euch lieb ist, aber ihr wisst auch, dass das, was gegangen ist, ewig ist.

Was ihr wirklich vermisst, ist die Interaktion mit diesem Menschen. Und natürlich seid ihr traurig darüber, auch aufgrund einer gewissen Bindung und so weiter. Daran ist nichts Schlimmes. Aber ihr müsst erkennen, dass das atma, das in euch ist, ewig ist. Das atma, das in diesem Körper war, ist auch ewig. Selbst wenn sich dieses atma von diesem Körper entfernt hat, ist es immer noch da. Diese Verbindung, diese Beziehung, die ihr habt, ist immer noch da. Sie ist nicht beendet.

Ihr müsst dankbar für das Leben sein, dafür, dass euch das Leben erlaubt hat, eine Erfahrung zu machen. Und ihr habt sie erlebt, ihr habt sie durchlebt, und der Mensch, der gestorben ist, hatte dabei auch eine Rolle zu spielen, seht ihr? Jetzt ist dieses Spiel beendet, dieser Mensch ist gegangen, die Arbeit wurde beendet. Jetzt liegt es an euch, vorwärts zu gehen.

Sehr oft denken wir, wenn eine Seele in unser Leben tritt, wir müssen uns an ihr festhalten, an ihr hängen, eine gewisse Bindung zu ihr aufbauen – nein, natürlich nicht! Diese Seelen sind gekommen, um auch frei zu sein. Das ist das Gesetz der Natur, seht ihr? Seelen inkarnieren, um sich selbst zu befreien, und nicht, um sich festzuklammern, denn die Seele hat in dieser Realität nichts, woran sie sich festhalten kann. Die Seele gehört nicht zu dieser Realität. Die Seele ist durch Millionen von Leben gegangen. Ihr habt euch getroffen und ihr habt gewisse karmische Beziehungen zu dieser Seele aufgebaut. Deshalb ist diese Seele wieder in euer Leben gekommen, damit ihr etwas mit ihr zu Ende bringen könnt, weil die Seele frei sein möchte. Die Seele will nicht an all diesem Drama und all diesen Dingen hängen. Darum kommen Seelen in euer Leben. Dafür müsst ihr dankbar sein.

Bei euren Eltern ist es das Gleiche. Eure Eltern, eure Freunde, all die Menschen um euch herum werden sehr oft einfach als Selbstverständlichkeit betrachtet. Nein, jeder Einzelne ist da, um eine bestimmte Rolle in eurem Leben zu spielen. Durch die Rolle, die sie gespielt haben, durch ihr Leben, haben sie euch dahin gebracht, wo ihr jetzt seid. Natürlich empfindet ihr eine gewisse Dankbarkeit. Aus dieser Dankbarkeit heraus fühlt ihr euch traurig, wenn es keine Interaktion mehr gibt. Aber bedenkt − das atma, das in ihnen ist, ist ewig, und ihr habt eine Beziehung zu diesem atma.

Wenn ihr noch einmal ein Leben annehmt (wenn ihr noch nicht fertig seid), werdet ihr euch vielleicht wieder treffen, aber in einer anderen Rolle, in einem anderen Drama.

Jai Gurudev!

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