30. März 2020

LIVE Q&A AUS VRINDAVAN
SHREE GIRIDHAR DHAM ASHRAM, 30. MÄRZ 2020

Im heutigen satsang beantwortete Paramahamsa Vishwananda Fragen über den Ausgleich von männlichen und weiblichen Qualitäten, über die Art und Weise, wie Rama Sein dharma erfüllte, über unseren Weg und über das Zusammensein mit denen, die nicht auf dem spirituellen Weg sind.

Jai Gurudev, alle zusammen! Erneut willkommen in Vrindavan!

Heute möchte ich euch allen zunächst ein glückliches Yamuna jayanti wünschen! Es ist das Erscheinungsfest von Yamuna Maharani, und gerade heute haben wir eine lustige Erfahrung gemacht.

Wisst ihr, jeden Tag haben wir alle Gebete durchgeführt und mit allen zusammengesessen. Momentan gibt es wegen des Coronavirus bestimmte Gesetze, und wir bemühen uns hier, aber ihr wisst ja, wie es mit vielen Leuten ist. Wir saßen also alle sehr nah beieinander, und natürlich ist das Gesetz überall das gleiche: Man sollte eine gewisse Distanz zu den Menschen einhalten, und nur wenige Menschen dürfen in der Nähe sein.

Es war lustig. Wir waren dabei, Yamuna jayanti zu feiern und haben ein abhishekam für Yamuna Shila gemacht, als wir Besuch von der Polizei bekamen, die uns sagte: „Sie wissen sehr genau, dass sie wegen des Virus all diese Dinge nicht tun dürfen“, und das war in Ordnung. Sie haben nur ihre Arbeit getan, uns daran zu erinnern, dass wir uns nicht auf diese Weise versammeln sollten, selbst nicht zum Gebet. Das ist erstaunlich, nicht wahr? Aber seht, aus Sicherheitsgründen ist es wichtig; denn es gab einen Sikh guru, der vor ein paar Tagen gegangen ist. Er war in Europa unterwegs, kam nach Indien und besuchte etwa 20 Dörfer. Er hat seine satsangs gegeben und so weiter und hat mehr als 15.000 Leute angesteckt! Ich denke, es ist daher offensichtlich, dass die Regierung Vorsichtsmaßnahmen trifft. Aber es war lustig, dass nur zwei Personen drinnen waren, die Yamuna Maharani gedient haben.

Doch es ist eine Erinnerung, dass sich nun jeder Zeit nehmen sollte, um nach Innen zu gehen, auch hier. Alles ist hier sehr still geworden und shanti, shanti überall. Man sieht nicht mal Leute in der Nähe, niemanden. Doch eine Sache ist wunderschön, man kann die Vögel singen hören. Die Vögel singen überall und es ist erstaunlich; denn vorher hat man hier in Vrindavan niemals Vögel singen gehört. Und nun sieht man die Vögel umherfliegen und die Natur erblüht, und das ist schön.

Ich denke, die Regierungen in allen Ländern, ob mit oder ohne Coronavirus, sollten ihre Länder für zwei Wochen in den Lockdown bringen. Es ist eine Idee – ob es eine gute Idee ist oder nicht. Doch wenn du siehst, wie es der Natur ohne Verschmutzung geht! Ich habe einige Devotees aus Delhi gefragt, wie es dort ist und sie haben gesagt: „Oh, wir haben blauen Himmel!“, was ich in Delhi niemals gesehen habe. Sogar sie selbst haben das noch nie gesehen. Sie haben gesagt: „Es ist erstaunlich, dass wir blauen Himmel haben, die Luft ist frischer und man kann atmen“. Hier in Vrindavan ist es genauso. Normalerweise wäre es in dieser Jahreszeit schrecklich gewesen. Ich erinnere mich, als ich letztes Jahr nach Vrindavan kam, da gab es die Luftverschmutzung in Delhi schon. Die Menschen trugen Masken – nicht wegen des Virus, sondern wegen der Luftverschmutzung. Dieses Jahr ist es ein anderer Grund warum die Leute Masken tragen! Es ist erstaunlich.

Für die es da ist, um die Welt zu zerstören, – wisst ihr, der menschliche Verstand – für die ist es schrecklich. Und besonders, die Verängstigung der Menschen zu sehen.

Die Menschen gehen durch ihr Leben, angefüllt mit Angst. Und wenn du die Verrücktheiten der Menschen siehst, ist es ein bisschen seltsam. Die befremdlichste Sache ist diese Toilettenpapier-Sache, der Toilettenpapier-Wahnsinn. Wisst ihr, die Leute machen sich keine Sorgen, dass sie kein Essen haben könnten, aber sie sorgen sich darum, womit sie ihren … abputzen werden! [lacht] Es ist, als hätte der Coronavirus eine besondere Situation geschaffen: „Ah, jetzt entscheide ich mich zu s******n, und dafür brauchen wir eine Menge Toilettenpapier.“ Also, das ist seltsam. Was für eine Art Angst ist das? Es ist eine Toilettenpapier-Angst! Das ist ein bisschen verrückt, nicht wahr? [lacht] Sie lachen alle hier! Welche Mitteilungen ich auch immer täglich erhalte, immer ist eine über Toilettenpapier dabei. [lacht] Es ist, als ob jeder entschieden hätte: „Jetzt werden wir nur noch s******n, sonst ist nichts wichtig.“ [lacht] Entschuldigung, aber … es ist lustig. Ihr seht, was Angst mit dem Verstand der Menschen macht.

Tatsächlich braucht ihr keine Angst zu haben. Entspannt euch. Wisst ihr, wie Krishna sagte, gibt es eine Zeit, um geboren zu werden und es gibt eine Zeit zum Sterben. Bei den meisten Dingen, die geschehen, denke ich, dass es vor allem die Angst in den Köpfen der Menschen ist, die das geschehen lässt. Also, entspannt euch. Trefft eure Vorkehrungen und singt den Namen Gottes, singt Ramas Namen. Die jetzige Zeit ist eine Zeit, in der wir feiern; wir bewegen uns auf die Geburt von Lord Rama zu. Ich glaube wir haben heute den vierten Tag. Nehmt euch also die Zeit, um über das Leben von Lord Rama zu meditieren, um über Ihn zu lesen. Ihr habt jetzt Zeit! Lest über Sein Leben, insbesondere darüber, wofür Er steht.

Also, was kann ich sagen? Ich bitte Swami Revati die Frage zu stellen.

Lieber Guruji, wie können wir die weiblichen und männlichen Eigenschaften in uns ausgleichen?

Aha, dies ist eine Frage, die Menschen sehr oft haben. Wisst ihr, bei manchen Menschen ist die weibliche Qualität stärker, während bei anderen Menschen die männliche Qualität stärker ist. Um das auszugleichen, musst du dich selbst so akzeptieren, wie du bist. Welche Eigenschaft in dir vorherrscht, so bist du.

Du brauchst nicht anders zu sein. Schau, wenn jemand ein Problem damit hat, dass du anders bist, dann ist das nicht dein Problem, es ist ihr Problem. Lerne also, dich selbst zu akzeptieren. Dadurch, dass du dich selbst annimmst, wirst du frei sein!

Das Problem ist, dass wir sehr oft darüber besorgt sind, was andere über uns denken, das Urteil anderer. Unser ganzes Leben lang gehen wir durch unser Leben, und 90% leben wir unser Leben so wie andere wollen, dass wir es leben. Bist du also wirklich du selbst? Nein, bist du nicht.

Lasst uns das analysieren und ansehen. Während deiner Kindheit ist dir beigebracht worden, wie du sein solltest, und wenn du nicht in bestimmte Normen gepasst hast, wurdest du als Außenseiter betrachtet. Aber wer sieht das so? Bist du es, oder sind es andere? Andere, die meiste Zeit. Dadurch lebst du 90 % deines Lebens so, wie andere es wollen. Wie kannst du frei sein? Du kannst nicht frei sein, denn in deinem Denken hast du diese Wahrnehmung von gut und schlecht. Wie Shakespeare sagte: „Es gibt nichts Gutes oder Schlechtes, erst das Denken macht es dazu.“

Wie du es wahrnimmst, wie du dich selbst siehst – das bestimmt, welche Energie in dir vorherrschen wird. Jeder hat diese beiden Eigenschaften in sich. Da gibt es nichts, was einfach rein männlich oder rein weiblich ist. Du bist eine Verbindung von beidem, männlich und weiblich.

In der hinduistischen Tradition sagen wir, dass unsere linke Seite die weibliche und unsere rechte Seite die männliche Qualität darstellt. Ihr seht das deutlich bei der Mehrheit, ob ihr nun Mann oder Frau seid, wo eure rechte Seite stärker ist als eure linke Seite. Und bei den Organen genauso, das Herz, welches das Organ des Fühlens ist, ist auf der linken Seite. Es ist also die einfühlsamere Seite.

Wenn ihr euch selbst betrachtet, unabhängig davon, ob ihr eine vorherrschende männliche oder weibliche Qualität habt, dann ist es nicht das, was ihr seid. Ihr seid nicht diese Eigenschaften. Das solltet ihr nie vergessen. Ihr seid das atma, und das atma ist jenseits der geschlechtsspezifischen Eigenschaften. Du kannst nicht sagen: „Dieses atma ist männlich“ oder „Jenes atma ist weiblich“. Nein, das atma ist nur atma. Es gibt kein männliches atma oder weibliches atma. In manchen Leben war das atma also in einem weiblichen Körper und in manchen Leben war das atma in einem männlichen Körper. Es geht nicht ums Geschlecht, sondern darum, wer du bist! Womit identifizierst du dich selbst? Identifizierst du dich selbst nur mit dem Geschlecht, ob männlich oder weiblich, oder möchtest du dich selbst verwirklichen und aus der Täuschung erwachen, die die Welt geschaffen hat?

Du bist in erster Linie das atma, zweitens bist du ein Mensch. Wie auch immer Gott dich geschaffen hat, Er hat dich so geschaffen, wie du bist, und in Seiner Schöpfung, wie ich zuvor sagte, gibt es keine Unvollkommenheit. Er hat dich perfekt erschaffen. In dem Moment also, in dem du lernst zu akzeptieren, dass du so bist, wie Gott dich geschaffen hat, geschieht automatisch der Ausgleich zwischen diesen beiden Energien, weil du Selbstakzeptanz hast. In dem Moment, in dem du Selbstakzeptanz hast, kann dich nichts mehr bewegen.

Also, liebe dich selbst wie du bist, akzeptiere dich selbst wie du bist. Und sei glücklich, dass du einzigartig bist und dass Gott dich liebt, wie Er dich geschaffen hat.

Guruji, in Deinem Bhagavad Gita-Kommentar sagst Du, dass Bhishma, Dhritarashtra und alle, die bei der Demütigung von Draupadi anwesend waren, ein verzerrtes Verständnis ihres dharma und der Ehre ihres Wortes hatten. Aber für mich tut Rama im Wesentlichen das gleiche mit Sita. Ihre Reinheit und Treue kennend, verstößt Er sie, die schwanger mit Seinen Kindern ist, in den Wald, nur um bestimmten Vorschriften und Traditionen zu folgen. Bhishma und die anderen werden kritisiert, doch Rama ist ein Beispiel für Rechtschaffenheit und der Befolgung des dharma. Könntest Du mir das bitte erklären?

Nun, wir können Rama und Bhishma und Dronacharya nicht wirklich in die gleiche Kategorie einordnen. Selbst, wenn sie ähnlich erscheinen. Schau, zunächst einmal wusste Rama nicht, dass Sita schwanger war, als Er Sita in den Wald schickte. Und Rama tat es nicht um Seiner selbst willen: „Oh ja, schaut, Ich beschütze mein Prestige, darum schicke Ich Meine Frau fort. Diese Frau, nach der Ich 14 Jahre lang gesucht habe, als Sie entführt war, das hat Mich verrückt gemacht“. Denkst du, Er schickt Sie einfach so weg? Nein! Wie ich vor ein paar Tagen erklärte, als das Ramayana gelesen wurde – wie schmerzvoll es für Rama war, zu sagen: „Ja, Meine liebe Frau, Ich muss Dich wegschicken.“ Aber Sita wusste, dass es für das Königreich gut war.

Nun kommen wir auf Bhishma, Dronacharya und so weiter zurück. Siehst du, dies sind die Großväter. Rama war ein König. Dies sind also die Großväter und wie du über Bhishma weißt, versprach er Duryodhana vor dem Vorfall, bei dem Draupadi in den Hof gezerrt wurde, dass er dem Thron immer treu bleiben und nichts sagen würde.

Krishna erinnerte ihn daran, Er sagte: „Doch, als Großvater kannst du dein Wort brechen. Wenn du die Würde von jemandem beschützen musst, kannst du immer zurücknehmen, was du versprochen hast. Denn dies ist mehr als das, es ist unmenschlich. Wenn du sehen würdest, dass sie jemanden öffentlich entkleiden, würdest du sitzen bleiben und zuschauen? Würdest du nicht einschreiten? Weißt du, als ein Großvater, als ein Ältester solltest du deinen Mund aufmachen und sagen, dass es falsch ist.“ Aber er tat das nicht. Und sie taten das nicht. Was machten sie? Sie senkten nur ihre Köpfe, vollkommen hilflos.

Also, wenn man das mit Rama vergleicht, ihr kennt die Geschichte: Als Rama in Seinem Königreich unterwegs war, war da dieser Kleiderwäscher. Seine Frau ging mit einem anderen, und so sagte er seiner Frau: „Schau, ich bin nicht so barmherzig wie Rama. Für mich ist es so, dass du mit jemand anderem gegangen bist, also ist es vorbei. Nimm deine Sachen und geh“. Rama hatte Sita so viele Jahre bei Ravana gelassen, dennoch nahm Er Sita zurück. Aber eine Sache vergessen sie. Sehr oft, wenn ich diese Frage gestellt bekomme, begreifen es die Leute nicht, weil sie das Ramayana nicht vollständig gelesen haben.

Wisst ihr, die Sita, die in Ravanas Palast ging, war in Wahrheit eine Kopie von Sita. Eigentlich das erste Klonen! Es geschah so, dass Rama, als Er im Wald war, Agni-Deva bat, auf Sita aufzupassen, und aus Sitas Schatten heraus kam ein weiteres Abbild von Ihr. Dieser Schatten von Sita ging also nach Lanka. Es war dieser Schatten, den Ravana kidnappte. Aber diese Geschichte, diese lila, wurde sehr oft ignoriert. Sie sagen: „Oh ja, Sita ging dorthin.“ Tatsächlich war es eine Kopie von Sita, die nach Lanka ging.

Und nun lasst uns einmal Ravana in Lanka betrachten. Obwohl Ravana lüstern ist, denn so schaut er auf Sita, wünscht er sich eigentlich, Sita zu heiraten. Deswegen hat er Sita entführt. Als er zum ersten Mal Sita berühren wollte, kam eine Stimme, die sagte: „Wenn du Sie jemals berührst, wirst du sterben.“ Ravana erinnerte sich selbst daran. Ravana war also kein schlechter Mensch, der Sie sehr schlecht behandelte. Weißt du, als Sita im Ashoka Garten war, kam Ravana jeden Tag zu Ihr und versuchte, Sita Anträge zu machen, aber er drängte sich Ihr niemals auf. Wie wäre es heutzutage? Wenn das heutzutage geschehen würde, arme Sita. Entschuldigung, vergebt mir, aber wahrscheinlich wäre Sie vergewaltigt worden. Aber nein, Ravana tat das nicht. Er hätte das tun können, er war sehr kraftvoll, er hätte sich auf Sie stürzen und tun können, was immer er wollte, um sich selbst zu befriedigen. Aber nein. Er versuchte so oft, Sita zu beeindrucken, Sita Angst einzujagen, indem er Ihr erzählte, dass er Rama getötet habe. Und durch gewisse Illusionen brachte er Ihr den Kopf von Rama. Aber natürlich war Sita, sogar als Schatten von Sita, vollständig in die Erinnerung an Lord Rama vertieft.

Und Rama bewies es noch einmal, als Er Ravana umgebracht hatte und sie Sita brachten. Nun würde man erwarten, dass Rama sich gefreut hätte und Sich, wie in den indischen Bollywood-Filmen, in die Arme seiner Geliebten gestürzt hätte, die Er gekommen war zu holen. Nein, so war es nicht! Rama sagte in diesem Moment: „Warte!“ Und alle waren geschockt. Er sagte: „Sie muss durch Agni Pariksha gehen“. Das bedeutet, wenn Sie eine untreue Ehefrau war, während Sie all die Jahre im Haus von Ravana gelebt hatte, wenn Sie beschmutzt worden wäre, würde Sie verbrennen. Sie machten also diesen Scheiterhaufen und selbstverständlich war jeder schockiert. Warum redet Er so? Sita wurde also auf den Scheiterhaufen gesetzt und als das Feuer angezündet war, erschien Agni-Deva, der Feuergott, und bei ihm war die andere Sita – und dieser Schatten von Sita verschwand. Agni-Deva sagte also: „Rama, nimm Deine Frau. Sie ist keusch und rein. Ravana hat niemals seine Hand auf Sie gelegt“. Obwohl er Sie entführt hat, Sie gezogen und bedrängt hat, ich meine, er hat Sie nie auf unanständige Weise angefasst.

Ihr seht, Sita wurde keusch zu Rama gebracht und Sie wusste das. Und auch, als Er Sie in den Wald schickte, nachdem Er gehört hatte, was die Leute sagten, war das nicht aus Freude. Es war, weil Er ein Beispiel geben wollte. Darum bat Er Lakshmana schweren Herzens, Sie in den Wald zu bringen. Aber Er wusste nicht, dass Sita schwanger war. Ihr wisst über Seine Söhne Luv und Kush Bescheid und wie Valmiki Sita aufnahm, und wie Rama wiederum an Sita erinnert wurde und so weiter.

Doch Rama, wenn wir Sein Leben wirklich analysieren – warum sagen wir, dass Rama ein Beispiel ist? Es ist die Art und Weise, wie Er jede Angelegenheit Seines Königreichs handhabt. Bevor Er an Sich selbst denkt, denkt Er an Sein Volk, nicht an Seinen Thron. Wisst ihr, wenn Er an Seinen Thron denken würde, hätte Er bereits gekämpft, als Dasharatha Ihn aufforderte, 14 Jahre ins Exil zu gehen. Nein, Er dachte nicht an Seinen Thron, Er verteidigte nicht Seinen Thron. Er beschützte Sein dharma. Er tat, was zum Wohlergehen der Gesellschaft getan werden musste. Daher schickte Er Seine Frau nicht um Seines guten Rufes willen fort, sondern für Sein Königreich, für das Er ein Beispiel geben wollte.

Wohingegen Bhishma und Drona kein Beispiel gegeben haben. Sie waren nur hilflos. Sie hatten sich selbst hilflos gemacht. Wofür haben sie gearbeitet? Ihr seht, einer hat seine Arbeit zum Wohle seines Volkes getan, die anderen haben sich nur darum gekümmert, ihr eigenes Ansehen zu beschützen.

Da gibt es also einen großen Unterschied zwischen den beiden.

Guruji, oft, wenn ich mit Leuten über unseren Vaishnava-Weg spreche, sehe ich, dass ich oft die Tendenz habe zu verwässern oder manche Lehren sogar zu verbergen, um es für die Leute akzeptabler zu machen. Aber nachher fühle ich mich nicht gut. Was kannst Du mir raten? Die Lehren an die Leute anzupassen oder genau so zu sprechen wie es korrekt ist?

Schau, erstens, wenn du auf Menschen zugehst und du über deinen Weg sprechen möchtest, musst du, wie ich vor einigen Tagen sagte, es auf eine Weise tun, welche die Person verstehen kann. Das bedeutet nicht zu verschweigen, dass du Hindu bist und dass du auf einem Vaishnava-Weg bist. Weißt du, das solltest du sagen, aber mache es auf eine Weise, die diese Personen verstehen und die zeigt, was du ihnen wirklich mitgeben möchtest. Nimm sie von ihrem Standpunkt aus mit auf eine Reise – von dem, wie sie sehen, zu dem, wie du siehst.

Du brauchst dich also nicht schlecht zu fühlen, wenn es das erste Mal ist, dass du über deinen spirituellen Weg sprichst. Das ist normal. Sehr oft fühlen sich die Menschen ein bisschen unbehaglich und denken: „Wie? Schau, wenn ich mich vollkommen öffne, werden sie denken, dass ich verrückt bin”. Und eine Sache ist auch, wenn du beginnst, über den Vaishnava-Weg zu sprechen, wenn du wirklich über deinen Weg Bescheid weißt, dann gibt es bestimmte Konzepte, die für sie völlig außerirdisch sind. Sie werden nicht verstehen, worüber du sprichst. Anstatt sie also wirklich zu ermutigen, auf den spirituellen Weg zu gehen, könntest du sie entmutigen, auf den spirituellen Weg zu gehen, weil es zu viel für sie sein wird.

Deshalb musst du langsam vorgehen und ihre Sprache sprechen. Nimm sie mit auf diese Reise, bis du ihnen wirklich geben kannst, was du in dir hast. Doch dafür musst du dich auch selbst weiterbilden, weißt du? Wissen ist wichtig. Jeden Tag habe ich euch daran erinnert. Ansonsten wird es schwierig.

Guruji, auf dem spirituellen Weg wird uns vermittelt, dass es gut ist, Zeit mit gleichgesinnten Menschen und Menschen auf dem gleichen spirituellen Weg zu verbringen. Wie auch immer, einige meiner besten Freunde sind nicht auf dem spirituellen Weg und nicht einmal Vegetarier. Ich habe das Gefühl, dass diese Leute aufrichtigere und bessere Menschen sind als diejenigen, die tatsächlich auf dem spirituellen Weg sind. Ist es falsch von mir, so zu empfinden?

Nein, es ist nicht falsch. Tatsächlich habe ich das auch schon gesagt, dass ich oft gute Menschen auf dem spirituellen Weg getroffen habe, aber ich habe auch die schlimmsten auf dem spirituellen Weg getroffen. Denn oftmals ist es der traurige Teil eines spirituellen Weges, dass die Leute so tun, als ob sie sehr heilig und allen anderen überlegen sind.

Das ist tatsächlich eine Gefahr. Wenn spiritueller Stolz aufkommt, fällt man hier um so tiefer. Ich finde es nicht falsch, dass du Freunde und Menschen hast, die dir nahe stehen, die nicht auf dem spirituellen Weg sind und den spirituellen Weg nicht verstehen und nicht einmal Vegetarier sind. Doch es ist eine Tatsache, dass du das Licht bist, das in der Dunkelheit scheint. Sehr oft sitzen Menschen in der Dunkelheit der Unwissenheit. Sie wissen nichts davon. Doch dadurch, dass du ihnen nahe bist, kannst du das, was du in dir hast, weitergeben, sei es direkt oder indirekt.

Das erste, was ich sagen möchte, ist, dass du auf deinem spirituellen Weg stark werden musst, denn es sieht so aus, als seist du in der Umgebung oder Gesellschaft gleichgesinnter Menschen. Das bedeutet, wenn du nicht stark genug bist, wirst du früher oder später zurückfallen, ob du es willst oder nicht, denn deine innere Schwäche wird dich einholen. Und darauf musst du sehr aufpassen.

Deshalb sagen wir, dass du auf dem spirituellen Weg unter gleichgesinnten Menschen sein sollst, denn dies bedeutet, dass du dich zunächst selbst stärkst. Werde stark auf deinem Weg, werde stark in deinem Ziel, werde stark in deinem spirituellen Bemühen, dann gehe und hilf anderen.

So lange du nicht stark bist, wird dich eine kleine Versuchung zurückfallen lassen. Und das habe ich oft gesehen, auch mit Menschen, die eingeweiht wurden. Sie sagen: “Ja, wir sind Devotees, wir tragen die Kanti-mala”, und dann siehst du sie auf ihrer Facebook-Seite mit einer Flasche Wein. Und sie sollten sehr klar wissen, dass das nicht richtig ist.

Du siehst, wenn man nicht stark ist, fällt man wieder zurück in seine alten samskaras. Du musst also zuerst stark werden. Du musst wirklich in deinem Vertrauen verankert sein, verankert in deiner Disziplin. Das bedeutet nicht, dass du deinen Freunden nicht „Hallo“ sagen kannst, du keinen Tee oder was auch immer mit deinen Freunden trinken kannst. Das kannst du tun, aber lege nicht zu viel Wert darauf, bis du stark genug bist, dein spirituelles Leben zu teilen, denn sonst wirst du von dort, wo du bist, wieder zurück fallen, weißt du?

Wie Krishna in Kapitel 3, Vers 9 sagte: „Schau, was immer wir in dieser Welt tun, wir schaffen Karma, doch es gibt bestimmte Dinge, die wir aus der Haltung des Opferns tun, daraus wird Freiheit. Es befreit dich”. Was auch immer wir in dieser Welt tun, es geschieht durch unser Denken, nicht wahr? Und wenn wir es tun, haften wir an Dingen an. Durch unsere Anhaftung bauen wir eine so große Mauer auf, dass das, was wir in uns haben, nicht scheint. Wenn du auf deinem spirituellen Weg bist, bist du da, um etwas Tieferes, etwas Größeres hervorzubringen. Du bist nicht hier, um mehr karmische Dinge zu erschaffen, die dich zu Fall bringen. Du bist hier, um frei zu sein. Doch wie willst du frei sein, wenn du in deinem Geist schwach bist, wenn du in deinem Vertrauen schwach bist? Das ist sehr schwer. Zuerst musst du also verstehen, dass du alles, was du tust, als Dienst für den Herrn tust. Das ist ein Bewusstseinszustand, bei dem du, wenn du ihn erreichst, keine Anhaftungen mehr erschaffst. Du wirst keine Herabsetzung erschaffen, weil du zu einer solchen Präsenz wirst, dass du nur noch da bist, um zu erhöhen. Wenn deine Anwesenheit niemanden verwandeln kann, bedeutet das, dass du dich selbst noch stärken musst; du musst auf deinem Weg noch stärker werden.

Es gibt eine schöne Geschichte über ein solches Opfer, eine solche Art des Dienens, des Seins in der Welt, und sich dennoch immer wieder selber daran erinnern, dass alles, was Gott uns hier gegeben hat, nur zu Seinem Wohlgefallen ist, zu Seinem Dienst, und dass unser Leben selbst zu Seinem Dienst da ist.

Als wir über Rama gesprochen haben, gab es da Raghu, der ein Nachfahre von Lord Rama war. Rama stammt aus der Raghu-Dynastie. Raghu war ein wundervoller, großer König. Als er seine Aufgabe als König erfüllt hatte, beschloss er: “Okay, was auch immer ich getan habe, war nicht für mich, es war für die Gesellschaft, war für Gott, denn alles, was ich getan habe, war nur ein Dienst. Es wurde mir gegeben und ich muss es Ihm zurückgeben”. Er verstand sein Leben als ein Leben der Hingabe, ein Leben der ständigen Erinnerung daran, dass er hier war, um Gott zu dienen, und dass er alles Gott zuliebe getan hatte.

Nachdem er seinen Dienst beendet hatte, entschied er sich, eine Opferung durchzuführen, ein yajna. Und dieses yajna ist ein yajna, bei dem man alles, was man hat, der Gesellschaft zurückgibt. Er hat also dieses yajna gemacht, und nach dem yajna gab er alle seine Besitztümer seinem Volk. Dann kleidete er sich selbst in einen Lumpen, nahm eine Bettelschale und ging. Als er ging, wanderte er umher und bettelte um sein Essen. Ein König, der alles hatte! Er erinnerte sich selbst daran, dass es wie mit dem Wasser ist:
Das Wasser kommt, es ist auf der Erde, es verdunstet, es steigt als Wasserdampf auf zu einer Wolke, es verdichtet sich und kommt wieder zurück zur Erde als Wasser, als Regen.

Er erinnerte sich daran, dass alles, was er hier in dieser Welt erhalten hatte, für den Dienst bestimmt war. Er war nur da, um wie ein Manager danach zu schauen, und es nur zu verwalten, aber alles gehört Gott. Er ließ also alles zurück und ging.

Eines schönen Tages, als er bettelte und er sich müde fühlte, legte er sich nahe an einen Baum. Als er sich neben den Baum legte, hörte er ein paar Leute sprechen. Und einige Leute unterhielten sich und sagten: “Wie großartig ist König Raghu, der einfach so auf alles verzichtet hat und weggegangen ist. Wisst ihr, das ist so großartig. Wir haben einen wundervollen König”.

Er lauschte also und sagte zu ihnen: „Was erzählt ihr da über diesen Raghu?” Wisst ihr, selbstverständlich erkannten die Leute nicht, dass es der König selbst war, denn er war wie ein Bettler gekleidet, und sie sagten: „Warum sagst du das in solch einem Ton?”

Er sagte: „Ja, ich sage das. Könnt ihr gehen und euren König fragen, mit was er gekommen ist, um zu behaupten, dass er alles weggegeben hat? Geht und sagt das eurem König. Euer König wurde mit leeren Händen geboren!”

Wie Krishna in der Gita sagte, seid ihr mit leeren Händen geboren. Alles, was ihr habt, habt ihr euch von dieser Welt genommen und ihr werdet alles zurücklassen in dieser Welt.

König Raghu, in der Form des Bettlers, sagte: „Geht und fragt euren König. Was hat er in diese Welt gebracht, das er aufgegeben hat?”

Ihr seht also, alles, was wir nehmen, nehmen wir von hier, und alles wird hier bleiben. Aber wenn du das Leben von jemandem transformieren könntest, wenn du einen Unterschied im Leben von jemandem machen könntest, zum Besseren hin, indem du ihn näher zum Göttlichen bringst – ja. Wisst ihr, genauso, wie es in der vorhergehenden Frage war, die Swami Revati gestellt hat: Wenn ich den Leuten meinen spirituellen Weg nicht direkt erklären kann, muss ich zuerst ihre Sprache sprechen, doch ich fühle mich innerlich schlecht. Es ist die gleiche Sache: Es ist nicht falsch, unter Leuten zu sein, die deine Freunde sind und die keine Vegetarier sind und so weiter, aber erinnere dich selbst beständig, wo du stehst. Was kannst du ihnen geben? Das ist es, was du in deinem Inneren stärken musst. Und wenn das in dir stark wird, kann dich nichts mehr bewegen. Du wirst so stark verankert sein, dass du beginnen wirst, das Leben dieser Menschen zu transformieren.

Denn schau, als Devotee strahlst du anders, du handelst anders und du hast ein bestimmtes Leuchten in dir, das sich vollkommen von einem gewöhnlichen Menschen unterscheidet.

Ein gewöhnlicher Mensch hat aufgrund der Angst vor dem Leben, aufgrund der Angst, dies zu wollen, das zu wollen, ein anderes Verständnis, so dass sie nicht diesen Glanz haben, der in ihnen selbst leuchtet. Wie ich früher schon sagte, haben sie eine Mauer gebaut, die so dick ist, dass nicht einmal das Licht des atma durchscheinen kann. Sie haben nicht mal eine Ahnung davon. Doch als devotee hast du eine Ahnung davon. Durch die Gnade des Herrn, durch die Gnade des guru hast du in deinem Leben diesen Einblick für die Transformation deines Lebens erhalten.

Werde also stärker. Und es ist wahr, sehr oft wirst du feststellen, dass Menschen der Welt freudiger, glücklicher und verständnisvoller sind als spirituelle Menschen. Denn spirituelle Menschen haben sich in einem engen Kasten eingeschlossen, weil sie denken, dass sie so besonders sind. Deshalb haben sie nicht wirklich verstanden, was Spiritualität ist. Denn wenn du sagst, dass du spirituell bist, hast du eine umfassendere Sichtweise des Lebens. Du hast eine umfassendere Art, die Menschen zu verstehen. Es gibt keine Beurteilung.

Leider haben viele Menschen auf dem spirituellen Weg diese entgegengesetzten Eigenschaften, während Menschen in der Welt die Eigenschaften haben, verständnisvoller und glücklicher zu sein. Aber sind sie wirklich glücklich? Haben sie wirklich ein Verständnis vom Leben selbst? Ich denke nicht. Sie suchen immer noch. Und wenn Gott dich zu ihnen gebracht hat, tue, worum ich dich nochmals bitte: Werde stärker, damit du das teilen kannst, was du in dir hast.

Jai Gurudev!

Hier findest du das Video vom Satsang 👇

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